Niedersachsen schafft klare Regeln für den Umgang mit Wölfen. Ein neuer Wolfsmanagementplan regelt erstmals detailliert, unter welchen Bedingungen Jäger ganze Rudel erlegen dürfen. Das Land reagiert damit auf anhaltenden Druck aus der Landwirtschaft und auf Vorgaben des Bundesjagdgesetzes.
Interventionsgebiete als Kern des Plans
Das Herzstück des neuen Plans sind sogenannte Interventionsgebiete. In diesen Gebieten können ganze Wolfsrudel zur Jagd freigegeben werden. Voraussetzung ist, dass Wölfe dort wiederholt Nutztiere gerissen haben. Entscheidend ist dabei ein weiteres Kriterium: Die Risse müssen trotz ausreichendem Herdenschutz stattgefunden haben.
Damit soll verhindert werden, dass Landwirte, die keine Schutzmaßnahmen ergreifen, automatisch Abschüsse erwirken können. Der Herdenschutz bleibt also Grundbedingung. Erst wenn Wölfe diesen aktiv überwinden, greift die neue Regelung.
Ab dem 1. Juli 2026 beginnt die reguläre Jagdzeit. Ab diesem Zeitpunkt dürfen in Interventionsgebieten auch Welpen bejagt werden. Tierschutzorganisationen kritisieren diesen Punkt scharf. Sie sprechen von einem bewussten Abwarten bis zum Beginn der Jagdzeit.
Klare Abschussquoten für 2026/2027
Neben den Interventionsgebieten legt der Plan konkrete Zahlen fest. Für das Jagdjahr 2026/2027 dürfen in der atlantischen Region Niedersachsens maximal 22 adulte, territoriale Wölfe entnommen werden. Für die kontinentale Region liegt die Zahl bei fünf Tieren.
Diese Quoten basieren auf wissenschaftlichen Berechnungen zur Populationsentwicklung. Sie sollen sicherstellen, dass die Wolfspopulation nicht unter einen günstigen Erhaltungszustand fällt. Niedersachsen zählt derzeit 26 bestätigte Wolfsrudel, fünf Wolfspaare und einen residenten Einzelwolf.
Das Landesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat die Zahlen im April 2026 veröffentlicht. Sie gelten als Obergrenze, nicht als Zielmarke.
Drei Problemwölfe bereits freigegeben
Parallel zum neuen Managementplan hat das Umweltministerium bereits konkrete Maßnahmen ergriffen. Drei Wölfe wurden nach einer massiven Häufung von Nutztierrissen zum Abschuss freigegeben. In beiden betroffenen Fällen haben Jagdausübungsberechtigte die Durchführung übernommen.
Grundlage für diese Genehmigungen waren jeweils mehrfache Risse bei überwundenem Herdenschutz. Ob die Genehmigungen verlängert werden, soll rechtzeitig neu bewertet werden.
Kritik von zwei Seiten
Der neue Plan stößt auf geteiltes Echo. Die Landwirtschaft fordert seit Jahren schärfere Eingriffe. Das Landvolk Niedersachsen hatte bereits im Januar 2026 einen verbindlichen Managementplan bis Mai gefordert. Vizepräsident Jörn Ehlers hatte beide zuständige Ministerien öffentlich unter Druck gesetzt.
Tierschützer hingegen werfen der rot-grünen Landesregierung Realitätsferne vor. Sie bezweifeln, dass der Plan in der Praxis umsetzbar ist. Kritisiert wird auch die Möglichkeit, Welpen zu bejagen. Das sei unverhältnismäßig und ökologisch fragwürdig.
Von politischer Seite kommt ebenfalls Gegenwind. Oppositionsvertreter werfen der Landesregierung vor, beim Wolfskurs zu zögerlich zu agieren. Der Plan gehe zwar in die richtige Richtung, komme aber zu spät und bleibe in der Umsetzung vage.
Bundesrechtlicher Rahmen als Grundlage
Der Managementplan ist keine freiwillige Initiative des Landes. Er folgt aus Änderungen im Bundesjagdgesetz. Der Wolf wurde auf Bundesebene ins Jagdrecht aufgenommen. Die Länder sind seitdem verpflichtet, eigene Umsetzungsregeln zu schaffen.
Niedersachsen hatte sich mit dieser Umsetzung Zeit gelassen. Das hatte wiederholt für Kritik gesorgt. Mit dem vorliegenden Plan erfüllt das Land nun die gesetzlichen Anforderungen.
Fazit
Niedersachsen hat mit dem neuen Wolfsmanagementplan einen wichtigen Schritt gemacht. Klare Regeln für Interventionsgebiete und verbindliche Abschussquoten schaffen erstmals einen rechtssicheren Rahmen. Ob der Plan den Konflikt zwischen Naturschutz und Landwirtschaft befrieden kann, wird die Praxis zeigen. Die Fronten bleiben hart. Der Wolf bleibt eines der strittigen Themen der niedersächsischen Landespolitik.
