Volkswagen plant einem Medienbericht zufolge den Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit. Das entspricht etwa 15 Prozent der gesamten Belegschaft des Konzerns. Betroffen wären demnach auch vier deutsche Werke, darunter der niedersächsische Standort Hannover.
Massiver Sparkurs unter Konzernchef Blume
Das Manager Magazin berichtet unter Berufung auf Insider und Beteiligte, dass VW-Chef Oliver Blume den Sparkurs des Konzerns deutlich verschärfen will. Von rund 657.000 Beschäftigten weltweit sollen demnach in den kommenden Jahren bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Es wäre der größte Personalabbau in der Geschichte des Wolfsburger Automobilherstellers.
Blume hatte bereits in den vergangenen Monaten auf die schwierige Lage des Konzerns hingewiesen. Sinkende Absatzzahlen, hohe Kosten und der Druck durch günstigere Konkurrenz aus China belasten das Geschäft erheblich. Nun sollen offenbar drastischere Maßnahmen folgen.
Vier Werke vor der Schließung
Besonders gravierend sind die Berichte über mögliche Werksschließungen. Dem Bericht zufolge könnten mittelfristig vier Standorte in Deutschland dichtgemacht werden. Genannt werden die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie ein Audi-Werk.
Hannover besonders betroffen
Für Niedersachsen ist die Nachricht besonders brisant. Das VW-Werk in Hannover gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Standorten des Konzerns. Dort werden seit Jahrzehnten Nutzfahrzeuge und Transporter gefertigt. Tausende Beschäftigte in der Region wären von einer Schließung direkt betroffen.
Niedersachsen ist zugleich Großaktionär bei Volkswagen. Das Land hält rund 11,8 Prozent der Stimmrechte am Konzern. Die Landesregierung in Hannover verfolgt die Entwicklungen daher mit besonderer Aufmerksamkeit.
Emden ebenfalls auf der Liste
Auch der Standort Emden im Nordwesten Niedersachsens steht dem Bericht zufolge auf der Kippe. Das Werk an der Nordseeküste wurde zuletzt auf Elektromobilität umgerüstet. Dort werden unter anderem der ID.4 und der ID.7 produziert. Eine Schließung würde die gesamte wirtschaftliche Struktur der Region empfindlich treffen.
Gewerkschaft und Politik unter Druck
Die IG Metall und der VW-Betriebsrat haben in den vergangenen Monaten bereits heftig gegen Stellenabbau und mögliche Werksschließungen protestiert. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hatte betriebsbedingte Kündigungen wiederholt als rote Linie bezeichnet. Die neuen Berichte dürften den Konflikt zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern weiter verschärfen.
Auch politisch gerät der Konzern unter Druck. In Niedersachsen hängen Hunderttausende Arbeitsplätze direkt oder indirekt an Volkswagen. Die Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil hatte sich in der Vergangenheit stets schützend vor die niedersächsischen Standorte gestellt.
Krise mit mehreren Ursachen
Die Probleme bei Volkswagen haben mehrere Ursachen. Der Absatz in China, lange der wichtigste Wachstumsmarkt, bricht ein. Günstige chinesische Elektroautos verdrängen europäische Hersteller. Gleichzeitig läuft die Elektromobilität in Europa schleppender als erwartet. Die Kosten im Konzern gelten als zu hoch.
Volkswagen hatte zuletzt bereits Werksschließungen und den Ausstieg aus dem seit Jahrzehnten geltenden Beschäftigungssicherungsvertrag ins Spiel gebracht. Die nun kolportierten Zahlen übertreffen jedoch alles, was bislang öffentlich diskutiert wurde.
Fazit
Sollten sich die Berichte bestätigen, stünde Volkswagen vor einem Einschnitt ohne historisches Vorbild. Für Niedersachsen wäre ein Abbau in dieser Größenordnung eine wirtschaftliche Zäsur. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob und wie Konzernleitung, Betriebsrat und Politik einen Weg aus der Krise finden.
