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Die Stimmung bei Volkswagen ist angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Die IG Metall greift den Konzernvorstand scharf an und bereitet sich auf einen offenen Konflikt vor. Niedersachsens IG-Metall-Bezirkschef Thorsten Gröger spricht davon, dass der Vorstand mit seiner Kommunikation eine Auseinandersetzung regelrecht provoziere.
Gewerkschaft nennt Kommunikation einen „Super-Gau“
Die Art, wie der VW-Vorstand die Spardebatte öffentlich führt, stößt der Gewerkschaft bitter auf. Gröger bezeichnete die Außendarstellung des Vorstands als schädlich für den Konzern. Die Produktstrategie des Unternehmens bewege sich zwar in die richtige Richtung. Die öffentliche Kommunikation hingegen sei ein Problem.
Bundesweit formulierte IG-Metall-Chefin Christiane Benner die Kritik noch schärfer. Sie warf Konzernchef Oliver Blume schwere Fehler im Umgang mit der Belegschaft vor. Die Sparpläne hätten die Vertrauenskultur bei Volkswagen zerstört, sagte Benner. Pläne zur Werksschließung stellten sich gegen bestehende Betriebsvereinbarungen und die historische Verantwortung des Konzerns.
Abbau von 50.000 Stellen reicht dem Vorstand nicht
Der Kern des Konflikts liegt im Streit über das Ausmaß des Stellenabbaus. Der bereits laufende Plan sieht den Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 vor. Der Vorstand um Oliver Blume hält das für nicht ausreichend und diskutiert weitere Einschnitte.
Für die Beschäftigten bedeutet das vor allem Unsicherheit. Betriebsversammlungen in den Werken spiegeln die Stimmung wider. Im Werk Hannover fand zuletzt die letzte Betriebsversammlung vor möglichen neuen Sparbeschlüssen statt. Beschäftigte berichten von Verunsicherung und Angst. Aus der Belegschaft wurden auch konkrete Forderungen laut: Kein Vorstandsmitglied dürfe mehr als das Zwanzigfache des niedrigsten Gehalts im Konzern verdienen.
Niedersachsen als Mitspieler im Machtgefüge
Das Land Niedersachsen ist kein unbeteiligter Beobachter. Als Anteilseigner sitzt das Land im Aufsichtsrat von Volkswagen. Das sogenannte VW-Gesetz gibt dem Land eine besondere Stellung. Die Landesregierung steht damit unter Druck, klar Position zu beziehen.
Die Gewerkschaft macht keinen Hehl daraus, dass sie die Landesvertreter im Aufsichtsrat auf ihrer Seite sieht. Der Konflikt zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern soll beim nächsten Aufsichtsratstag entschieden werden, wenn über den weiteren Sparkurs abgestimmt wird.
Streiks als mögliches Druckmittel
Die IG Metall bereitet sich ausdrücklich auf mögliche Arbeitskampfmaßnahmen vor. Gröger machte deutlich, dass die Gewerkschaft weitere Einschnitte nicht widerstandslos hinnehmen werde. Ob es tatsächlich zu Streiks kommt, hängt vom Ausgang der Verhandlungen ab.
Der Ton zwischen Vorstand und Gewerkschaft ist rau. Volkswagen ist der größte private Arbeitgeber Niedersachsens, rund 300.000 Menschen arbeiten bundesweit direkt für den Konzern.
Ein Kompromiss ist nicht in Sicht
Der Konflikt zwischen VW-Vorstand und IG Metall hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die Gewerkschaft kämpft gegen den Stellenabbau und gegen das, was sie als Vertrauensbruch des Managements bezeichnet. Solange der Vorstand weiter auf tiefere Einschnitte drängt, ohne die Belegschaft mitzunehmen, bleibt der Burgfrieden bei Volkswagen brüchig.
