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Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat dem Volkswagen-Werk Hannover nach einem persönlichen Besuch ein positives Zeugnis ausgestellt. Der SPD-Politiker bezeichnete den Standort am Montagabend als wettbewerbsfähig und verwies auf konkrete Projekte, die ihn absichern sollen.
Autonome Busse und California als Anker
Das Werk Hannover bereitet derzeit die Serienproduktion autonom fahrender ID-Busse vor. Parallel dazu läuft die Fertigung des Campingbusses „California“. Lies betonte, beide Projekte seien produktionsseitig in die bestehenden Strukturen des Werkes integriert worden. Für ihn sind das Belege dafür, dass Hannover nicht zu den gefährdeten VW-Standorten zählt.
Der Ministerpräsident sprach nach dem Treffen von einem konstruktiven Austausch. Niedersachsen ist als Großaktionär direkt am Volkswagen-Konzern beteiligt und hält rund 20 Prozent der Stimmrechte. Lies nimmt damit eine Doppelrolle ein: als Landespolitiker und als Vertreter eines gewichtigen Anteilseigners.
Betriebsrat fordert offene Karten
Betriebsratschefin Daniela Cavallo sieht das weniger entspannt. Sie fordert von der Konzernspitze, die geplante Strategie klar offenzulegen. Welche Standorte welche Modelle produzieren sollen, sei bislang nicht ausreichend kommuniziert worden. Cavallo verlangt Klarheit, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden.
Hintergrund ist die anhaltende Debatte über die künftige Standortstruktur des Konzerns. VW steht unter erheblichem Kostendruck. Der Aufsichtsrat hatte im Juli keinen abschließenden Beschluss über den Zukunftsplan von Konzernchef Oliver Blume gefasst. Der Umbau soll etappenweise erfolgen.
Lies plant weitere Werksbesuche
Lies kündigte an, in Kürze auch die VW-Standorte in Osnabrück und Emden zu besuchen. Er will sich vor Ort ein eigenes Bild von den jeweiligen Bedingungen machen. Erst danach wolle er mit konkreten Eindrücken in die Gespräche über die Standortstruktur gehen.
Tausende Arbeitsplätze in Niedersachsen hängen direkt oder indirekt am Konzern. In Hannover, Wolfsburg, Emden und Osnabrück sind die VW-Werke ein zentraler Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Region.
Unsicherheit bleibt trotz Optimismus
Der Optimismus des Ministerpräsidenten steht im Kontrast zur Lage im Konzern. VW hat in den vergangenen Monaten intensiv über Stellenabbau und Werksschließungen diskutiert. Konkrete Entscheidungen stehen noch aus. Der Betriebsrat hat ein Ultimatum gestellt und dringt auf eine verbindliche Standortgarantie.
Für Lies ist der Werksbesuch ein politisches Signal: Hannover soll nicht abgeschrieben werden. Ob das reicht, hängt von Entscheidungen ab, die in Wolfsburg getroffen werden.
Fazit
Die Serienvorbereitung des ID-Busses und die California-Fertigung geben dem Werk Hannover eine konkrete Perspektive. Die größeren Fragen zur künftigen Standortstruktur des Konzerns sind aber noch offen. Mit den geplanten Besuchen in Osnabrück und Emden will die Landesregierung auch die Lage der übrigen niedersächsischen Standorte selbst einschätzen.
