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Volkswagen steckt tiefer in der Krise als bisher öffentlich eingeräumt. Konzernchef Oliver Blume hat das Unternehmen in einem im Intranet veröffentlichten Interview als „überdimensioniert, zu langsam und zu kompliziert“ beschrieben. Das Interview erschien kurz vor einer Serie von Betriebsversammlungen beim größten Autobauer Europas.
Rendite zu gering für den Umbau
Die operative Rendite von Volkswagen liegt derzeit bei 3,8 Prozent. Blume bezeichnete diesen Wert zwar als solide, aber nicht ausreichend. Für die Finanzierung von Zukunftstechnologien sei diese Marge zu dünn. Der Konzern müsse sich grundlegend verändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Blume machte deutlich: Die bisher beschlossenen Einsparungen reichen nicht aus. Der Konzern brauche tiefgreifendere Einschnitte. Diskutiert werden Stellenabbau und weitere Kostensenkungen. Konkrete Zahlen nannte Blume in dem internen Interview nicht öffentlich.
Betriebsversammlungen als Kulisse
Das Timing der Veröffentlichung ist kein Zufall. Blume wandte sich mit dem Intranet-Interview direkt an die Belegschaft. Betriebsversammlungen stehen unmittelbar bevor. Der Konzernchef wollte offenbar die eigene Deutung der Lage setzen, bevor die Diskussionen mit den Arbeitnehmervertretern beginnen.
Volkswagen beschäftigt in Niedersachsen Hunderttausende Mitarbeiter. Das Land Niedersachsen ist zugleich Anteilseigner des Konzerns. Die Entwicklungen in Wolfsburg haben damit direkte Auswirkungen auf die niedersächsische Wirtschaftspolitik.
Wolfsburg als niedersächsisches Schwergewicht
Für Niedersachsen ist Volkswagen der mit Abstand bedeutendste Industriearbeitgeber. Die Stammwerke in Wolfsburg, Hannover, Emden und Salzgitter sind zentrale Pfeiler der regionalen Wirtschaftskraft. Ein tiefgreifender Stellenabbau würde das Land unmittelbar treffen.
Das Land Niedersachsen hält rund 20 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Die Landesregierung in Hannover verfolgt die Entwicklung daher mit besonderer Aufmerksamkeit. Wirtschaftsminister und Ministerpräsident sind über das sogenannte VW-Gesetz strukturell in Konzernentscheidungen eingebunden.
Druck auf Betriebsrat und Politik
Mit seinem klaren Bekenntnis zur Krisenlage erhöht Blume den Druck auf alle Beteiligten. Der Betriebsrat hat bisher Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen abgelehnt. Die Fronten zwischen Management und Arbeitnehmervertretung sind verhärtet.
Blumes öffentlich gewordene Einschätzung dürfte die Verhandlungen weiter verschärfen. Der Konzern steht vor grundlegenden Entscheidungen über Standorte, Modellpalette und Personalstruktur.
Kurskorrektur unausweichlich
Nach eigener Aussage seines Chefs muss sich Volkswagen neu aufstellen, schneller werden und Strukturen abbauen. Für Niedersachsen als Anteilseigner und Industriestandort steht dabei viel auf dem Spiel. Die kommenden Betriebsversammlungen werden zeigen, wie Belegschaft und Betriebsrat auf den Kurs des Managements reagieren.
