Wolfsburg. Oliver Blume hat auf der Hauptversammlung von Volkswagen klare Worte gewählt. Die Rahmenbedingungen für den Konzern hätten sich in diesem Jahr nochmals verschärft. Der VW-Chef steht unter Druck. Aktionäre und Analysten fordern sichtbare Ergebnisse.
Blume bekennt sich zum Sparkurs
Auf der Hauptversammlung des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg verteidigte Blume seinen eingeschlagenen Weg. Die Lage sei angespannt und anspruchsvoll. Darauf müsse der Konzern reagieren. Blume machte deutlich: Es gibt keine Alternative zum Sparen.
Der Sparkurs bei Volkswagen ist radikal. Berichten zufolge sieht ein internes Transformationskonzept Kostensenkungen von rund 20 Prozent vor. Das Konzept soll bis 2028 umgesetzt werden. Erarbeitet wurde es gemeinsam mit der Unternehmensberatung BCG.
Ein 177-seitiges Papier dieser Beratungsfirma sorgte zuletzt in Wolfsburg für Aufregung. Darin wurden offenbar acht Konzernvorstände bewertet. Das Dokument kursierte intern und zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird.
Schwache Ergebnisse befeuern die Kritik
Die Hauptversammlung verlief nicht reibungslos für den Konzernchef. Aktionärsvertreter übten scharfe Kritik an Blume. Sie bemängelten schwache Ergebnisse und unzureichende Sparmaßnahmen. Der Umbau des Konzerns müsse beschleunigt werden, lautete die Forderung.
Volkswagen kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Die Elektromobilität entwickelt sich langsamer als erhofft. Software-Probleme bremsen wichtige Modelle aus. Gleichzeitig drücken gestiegene Produktionskosten auf die Marge. Der chinesische Markt, lange ein verlässlicher Wachstumstreiber, bereitet dem Konzern erhebliche Sorgen.
Konkurrenz aus China verschärft den Druck
Chinesische Hersteller drängen mit günstigen Elektroautos auf den europäischen Markt. Volkswagen verliert in China selbst Marktanteile. Das war lange undenkbar. Für Niedersachsen als wichtigsten Produktionsstandort des Konzerns hat das direkte Folgen.
In Wolfsburg, Emden und Hannover hängen Zehntausende Arbeitsplätze direkt von Volkswagen ab. Das Land Niedersachsen ist mit rund 20 Prozent an dem Konzern beteiligt. Die Landesregierung verfolgt die Entwicklung deshalb mit besonderem Interesse.
Erste Erfolge, aber kein Entwarnung
Blume betonte auf der Hauptversammlung, der Sparkurs zeige erste Wirkung. Konkrete Zahlen nannte er zurückhaltend. Klar ist: Der Weg ist lang. Der Konzernumbau wird Jahre dauern.
Das Jahr 2026 gilt intern als wichtige Wegmarke. Bis dahin sollen wesentliche Teile der Transformation abgeschlossen sein. Neue Modelle sollen auf den Markt kommen. Die Softwareplattform des Konzerns soll endlich stabil laufen.
Software bleibt ein Dauerproblem
Softwareprobleme haben Volkswagen in den vergangenen Jahren erheblich geschadet. Modelleinführungen verzögerten sich. Kunden beschwerten sich über Fehler in Fahrzeugsystemen. Die konzerneigene Softwareeinheit CARIAD wurde umstrukturiert. Ob das reicht, muss sich zeigen.
Blume setzt auf Kooperationen mit externen Technologieunternehmen. Partnerschaften sollen die Entwicklung beschleunigen. Das kostet ebenfalls Geld, das der Konzern gerade nicht in Überfluss hat.
Fazit: Ein Konzern unter Bewährungsdruck
Volkswagen steckt in einer ernsthaften Krise. Blume hat das auf der Hauptversammlung erstmals so deutlich ausgesprochen. Der Sparkurs ist nötig, aber schmerzhaft. Für Niedersachsen als Hauptanteilseigner geht es um weit mehr als Rendite. Es geht um Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stabilität in der Region. Der Druck auf Blume bleibt hoch.
