Der neue Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen markiert einen Wendepunkt. Erstmals halten alle niedersächsischen Landkreise die gesetzliche Stickstoff-Obergrenze beim Düngen ein. Weniger Tiere, weniger Gülle, gezielterer Einsatz von Düngemitteln: Die Fortschritte auf den Feldern sind messbar. In den Gewässern des Landes aber kommt davon bislang wenig an.
Weniger Tiere, weniger Dünger
Niedersachsen ist das wichtigste Agrarland Deutschlands. Nirgendwo sonst werden so viele Schweine und Hühner gehalten. Das hatte jahrzehntelang Folgen: Zu viel Gülle, zu viel Stickstoff, zu viel Belastung für Böden und Wasser.
Doch der Trend hat sich gedreht. Die Zahl der Nutztiere ist in den vergangenen Jahren gesunken. Damit fällt auch weniger Gülle an. Gleichzeitig greifen strengere Düngeregeln. Landwirte müssen genauer dokumentieren, was sie auf ihre Felder ausbringen.
Die Landwirtschaftskammer bestätigt: Die Betriebe düngen heute vielerorts sparsamer und gezielter als noch vor einigen Jahren. Das Ergebnis zeigt sich in der Bilanz. Alle Landkreise liegen jetzt unterhalb der gesetzlich erlaubten Stickstoffmenge je Hektar. Das ist ein Novum in der Geschichte des Nährstoffberichts.
Gewässer bleiben das Sorgenkind
So positiv diese Entwicklung ist: Die Wasserqualität hinkt hinterher. Nur rund 30 Prozent der Messstellen zeigen einen positiven Trend bei der Nährstoffbelastung. Grundwasser und Oberflächengewässer bleiben vielerorts stark belastet.
Der Grund liegt in der Trägheit des Systems. Stickstoff, der über Jahre in den Boden eingetragen wurde, verbleibt dort lange. Er sickert langsam ins Grundwasser. Selbst wenn die Einträge auf den Feldern sinken, dauert es Jahre oder Jahrzehnte, bis sich das in den Messwerten spiegelt.
Besonders betroffen sind Regionen mit intensiver Tierhaltung und vielen Biogasanlagen. Dort fallen neben Gülle auch Gärreste an. Diese stickstoffreichen Substrate wurden in der Vergangenheit großflächig ausgebracht. Ihre Spuren sind im Boden und im Wasser noch lange nachweisbar.
Biogasanlagen als Zusatzproblem
Biogasanlagen spielen in Niedersachsen eine besondere Rolle. Das Land gehört zu den führenden Bundesländern bei der Biogasproduktion. Die Anlagen verarbeiten Mais, Gülle und andere organische Stoffe. Als Nebenprodukt entsteht Gärrest, der als Dünger auf Felder ausgebracht wird.
Kritiker bemängeln seit Jahren: Die Überschüsse aus Tierhaltung und Biogasanlagen wurden nicht ausreichend reduziert. Der Nährstoffbericht bestätigt diese Einschätzung zumindest teilweise. Die Gesamtmenge an anfallenden Nährstoffen bleibt hoch, auch wenn die Ausbringung auf den Feldern gezielter erfolgt.
Landwirte warten auf neue Vorgaben
Viele Betriebe befinden sich in einer Wartehaltung. Neue Düngevorgaben der EU und des Bundes sind angekündigt. Die genaue Ausgestaltung steht noch nicht fest. Das erschwert die Planung auf den Höfen.
Die Landwirtschaftskammer empfiehlt dennoch, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Präzisere Düngung, bessere Dokumentation und eine weitere Reduzierung der Tierbestände in besonders belasteten Regionen sind die zentralen Stellschrauben.
Für die betroffenen Landwirte bedeutet das: weiterer Anpassungsdruck. Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren bereits erheblich investiert, um die Vorgaben zu erfüllen. Moderne Technik zur Gülleausbringung und Präzisionslandwirtschaft kosten Geld.
Fazit: Fortschritt auf dem Feld, Geduld beim Wasser
Der neue Nährstoffbericht sendet ein gemischtes Signal. Die Landwirtschaft in Niedersachsen hat messbare Fortschritte erzielt. Die gesetzlichen Grenzwerte werden eingehalten. Das ist eine klare Verbesserung gegenüber früheren Jahren.
Doch die Wasserqualität folgt diesem Trend nicht im gleichen Tempo. Nur drei von zehn Messstellen zeigen eine positive Entwicklung. Das unterstreicht: Der Weg zu sauberen Gewässern ist lang. Er erfordert konsequente Fortsetzung der Maßnahmen und vor allem Zeit. Schnelle Entwarnung wäre verfrüht.
