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Die Geschwister-Scholl-Oberschule in Vechta hat über Jahre hinweg falsche Schulzeugnisse ausgestellt. In 107 Fällen erhielten Schülerinnen und Schüler Abschlüsse, die schlechter waren als ihnen zustanden. Zwei Betroffene bekamen gar keinen Abschluss.
Fehler über sechs Schuljahre hinweg
Der Fehler zieht sich durch sechs Schuljahre, von 2019/2020 bis zum laufenden Schuljahr 2025/2026. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler erhielten Zeugnisse, die ihren tatsächlichen Leistungen nicht entsprachen. Sie wurden systematisch zu schlecht eingestuft.
Die Schule arbeitet derzeit daran, die fehlerhaften Zeugnisse zu korrigieren. Wie viele der Betroffenen inzwischen erreichbar sind und ihre korrigierten Dokumente erhalten haben, ist noch nicht vollständig bekannt.
Ministerin entschuldigt sich öffentlich
Kultusministerin Julia Willie Hamburg von den Grünen hat sich öffentlich bei den betroffenen Schülerinnen und Schülern entschuldigt. Sie bat um Verzeihung für den Fehler, der erhebliche Folgen für die Betroffenen haben kann.
Ein falscher Schulabschluss wirkt sich direkt auf den weiteren Lebensweg aus: Er bestimmt, welche Ausbildung jemand beginnen kann, welche weiterführenden Schulen zugänglich sind und welche Berufswege offenstehen. Für manche Betroffene liegen die Fehler inzwischen Jahre zurück.
Land nimmt andere Schulen unter die Lupe
Der Vorfall in Vechta hat landesweite Konsequenzen. Das niedersächsische Kultusministerium hat angekündigt, auch andere Schulen im Land zu überprüfen. Ob der Fehler in Vechta ein Einzelfall ist oder ein systemisches Problem dahintersteckt, soll die Untersuchung zeigen.
Wie es an der Geschwister-Scholl-Oberschule zu dem Fehler kommen konnte, ist bislang nicht abschließend erklärt. Die falsche Einstufung blieb über mehrere Schuljahre und vermutlich mehrere Schulleiter- und Lehrergenerationen hinweg unentdeckt.
Betroffene müssen aktiv werden
Wer zwischen 2019 und 2026 einen Abschluss an der Schule in Vechta erhalten hat, sollte sein Zeugnis überprüfen lassen. Die Schule ist nach eigenen Angaben dabei, alle Betroffenen zu kontaktieren. Für manche bedeutet ein korrigiertes Zeugnis die Möglichkeit, bisher verschlossene Bildungs- oder Berufswege nachträglich einzuschlagen.
Vertrauen in Zeugnisse erschüttert
107 Menschen haben über Jahre mit einem falschen Dokument gelebt. Das Land Niedersachsen steht nun gegenüber den Betroffenen und der Öffentlichkeit in der Pflicht. Das Kultusministerium hat Überprüfungen anderer Schulen angekündigt. Ob dabei weitere Fehler ans Licht kommen, ist offen.
