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Die kommunalen Finanzen in Niedersachsen geraten 2025 weiter unter Druck. Die Gesamtverschuldung der Gemeinden und Kreise im Land summierte sich zuletzt auf rund 15,1 Milliarden Euro. Die Schulden wuchsen 2023 um 7,1 Prozent. Auch im Landkreis Friesland zeigt sich dieser Trend. Bürgerinnen und Bürger müssen sich auf höhere Abgaben einstellen.
Schuldenlast wächst landesweit
Die kommunale Verschuldung in Niedersachsen stieg zuletzt deutlich. Das Landesamt für Statistik Niedersachsen verzeichnete 2023 ein Plus von 7,1 Prozent. Die Gesamtschulden der Gemeinden und Kreise lagen Ende des Jahres bei 15,1 Milliarden Euro.
Bundesweit ist das Bild noch düsterer. Die Verschuldung aller deutschen Gemeinden und Gemeindeverbände wuchs im fünften Jahr in Folge. Sie stieg um 10,3 Prozent auf 170,5 Milliarden Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung auf kommunaler Ebene lag 2024 bei 2.206 Euro je Einwohner.
Städte und Gemeinden verzeichneten 2025 das größte Defizit seit der Wiedervereinigung. Das belegen Auswertungen kommunaler Finanzdaten aus diesem Jahr. Die Handlungsspielräume der Kämmerer schrumpfen spürbar.
Friesland: Strukturschwache Region mit Finanzproblemen
Der Landkreis Friesland gehört zu den strukturschwächeren Regionen in Niedersachsen. Die Steuerkraft liegt unter dem Landesschnitt. Gleichzeitig steigen Ausgaben für Soziales, Infrastruktur und Personal kontinuierlich.
Die Städte und Gemeinden im Landkreis stehen vor schwierigen Haushaltsverhandlungen. Pflichtausgaben lassen sich nicht einfach kürzen. Investitionen in Schulen, Straßen und Kitas sind gesetzlich vorgeschrieben oder politisch kaum verzichtbar.
Im landesweiten Vergleich gibt es auch Positiv-Beispiele. Zwölf Gemeinden in Niedersachsen sind komplett schuldenfrei. Dazu gehören etwa die Stadt Burgwedel, die Gemeinde Wagenfeld und die Stadt Verden an der Aller. Friesländische Kommunen gehören nicht zu dieser Gruppe.
Gebührenerhöhungen als Ausweg
Die große Mehrheit der niedersächsischen Kommunen plant, Steuern und Gebühren zu erhöhen. Das geht aus einer Umfrage des Beratungsunternehmens Ernst und Young hervor. Die Kommunen sehen kaum andere Möglichkeiten, ihre Haushalte zu stabilisieren.
Betroffen sind vor allem Abwasser- und Abfallgebühren sowie die Grundsteuer. Viele Kommunen haben bereits die Grundsteuerreform genutzt, um Hebesätze anzupassen. Für Grundstückseigentümer und Mieter bedeutet das: Die Nebenkosten steigen.
Auch im Landkreis Friesland dürften die Bürger die Folgen spüren. Wer in Jever, Varel oder Wittmund lebt, muss für kommunale Dienstleistungen voraussichtlich mehr zahlen als bisher. Genaue Beschlüsse liegen je nach Gemeinde in unterschiedlichen Beratungsstadien vor.
Soziale Folgen nicht zu unterschätzen
Höhere Gebühren treffen einkommensschwache Haushalte besonders hart. Wer wenig verdient, gibt einen größeren Anteil seines Einkommens für Wasser, Müll und Grundsteuer aus. Sozialverbände warnen seit Monaten vor dieser Entwicklung.
Die Kommunen stehen damit in einem klassischen Dilemma: Ohne Einnahmen keine Leistungen, aber höhere Abgaben belasten die Bevölkerung. Ein strukturelles Problem lässt sich durch Gebührenerhöhungen allein nicht lösen.
Land gefordert: Finanzausgleich als Schlüssel
Kommunalverbände fordern seit Jahren eine bessere Finanzausstattung durch das Land Niedersachsen. Der kommunale Finanzausgleich soll sicherstellen, dass auch finanzschwache Regionen ihre Aufgaben erfüllen können. Kritiker halten ihn für unzureichend.
Die Landesregierung in Hannover hat zuletzt die Mittel leicht aufgestockt. Ob das den Schuldendruck in Landkreisen wie Friesland mindert, bleibt fraglich. Die Schere zwischen starken und schwachen Kommunen öffnet sich weiter.
Niedersachsen hat in der Vergangenheit Programme aufgelegt, um überschuldeten Kommunen zu helfen. Diese sogenannten Entschuldungsprogramme setzten jedoch strikte Auflagen voraus. Nicht alle Kommunen konnten oder wollten diese erfüllen.
Kein schneller Ausweg in Sicht
Die kommunalen Finanzen in Friesland und ganz Niedersachsen stehen vor keiner kurzfristigen Entspannung. Die Schulden wachsen, die Defizite sind historisch hoch, und die Gebühren steigen. Bürgerinnen und Bürger werden das direkt in ihren Haushaltskassen spüren.
Ohne strukturelle Reformen bei der Gemeindefinanzierung und ohne eine bessere Lastenverteilung zwischen Bund, Land und Kommunen wird sich an diesem Bild wenig ändern. Für Friesland bedeutet das: Die Kämmerer in Jever, Varel und den umliegenden Gemeinden haben harte Haushaltsberatungen vor sich.
