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Psychische Erkrankungen sind in Niedersachsen zum häufigsten Grund für Krankschreibungen geworden und haben damit Atemwegserkrankungen vom ersten Platz verdrängt. Das zeigt eine Auswertung der DAK-Gesundheit für das erste Halbjahr.
Stressbedingte Ausfälle auf Rekordniveau
Besonders stark gestiegen sind Krankschreibungen wegen akuter Belastungsreaktionen, die laut DAK-Gesundheit einen neuen Höchststand erreicht haben. Im vergangenen Jahr fehlten Versicherte wegen stressbedingter Belastungen rund 105 Tage je 100 Beschäftigte. Im letzten Jahr vor der Corona-Pandemie waren es noch 74 Tage, ein Anstieg von rund 42 Prozent.
Kein anderes Krankheitsbild wächst so beständig wie psychische Diagnosen im Arbeitskontext.
Atemwegserkrankungen verlieren Spitzenplatz
Erkältungen und grippale Infekte waren lange die häufigste Ursache für Fehlzeiten. Diese Diagnosen bleiben häufig, doch psychische Erkrankungen haben sie in der Statistik nun überholt.
Digitalisierung, Homeoffice, Fachkräftemangel und steigende Anforderungen belasten Beschäftigte. Hinzu kommen private Belastungen wie die Pflege von Angehörigen.
Pflegende Beschäftigte besonders belastet
Beschäftigte mit Pflegeaufgaben stehen vor besonderen Herausforderungen. Eine Pflegesituation tritt oft kurzfristig auf, Verlauf, Dauer und Intensität sind kaum planbar. Das macht die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege deutlich schwerer als etwa die Kinderbetreuung. Diese Dauerbelastung schlägt sich auch in den Krankschreibungsdaten nieder.
Belastung unterscheidet sich je nach Beschäftigungsform
Nicht alle Beschäftigten sind gleich betroffen. Leiharbeiter sind laut einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse länger krankgeschrieben als Festangestellte. Unsichere Arbeitsverhältnisse gelten als zusätzlicher Stressfaktor.
Was die Zahlen für Betriebe bedeuten
Psychische Erkrankungen führen oft zu längeren Ausfallzeiten als körperliche Leiden. Depressionen, Angststörungen und Burnout erfordern aufwendige Behandlungen, während eine Erkältung meist nach wenigen Tagen überstanden ist. Psychische Krisen dauern oft Wochen oder Monate.
Betriebe mit betrieblichem Gesundheitsmanagement sind besser aufgestellt. Frühzeitige Entlastung, klare Kommunikation und flexible Arbeitsmodelle senken das Risiko für Fehlzeiten.
Handlungsdruck auf Politik und Arbeitgeber
Niedersachsen hat rund 3,3 Millionen Erwerbstätige. Wenn psychische Erkrankungen zur häufigsten Ursache für Arbeitsunfähigkeit werden, braucht es entsprechende Antworten: ausreichend Therapieplätze, kürzere Wartezeiten in der psychotherapeutischen Versorgung und betriebliche Unterstützungsangebote.
Derzeit warten Betroffene in vielen Regionen Deutschlands Monate auf einen Therapieplatz. Das verlängert Krankheitsverläufe und erhöht die Kosten für Krankenkassen und Arbeitgeber.
Ein strukturelles Problem braucht strukturelle Antworten
Psychische Erkrankungen sind in Niedersachsen zur häufigsten Ursache für Krankschreibungen geworden. Die Belastungen in Beruf und Alltag haben sich über Jahre aufgebaut. Mehr Prävention, bessere Versorgungsstrukturen und ein sensibler Umgang mit psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz sind nach Einschätzung von DAK-Gesundheit und Techniker Krankenkasse keine freiwillige Zusatzleistung mehr, sondern notwendig.
