Hannover hat einen eigenen Aktienindex. Der NISAX20 bildet die 20 wichtigsten börsennotierten Unternehmen Niedersachsens ab. Gestartet am 15. Mai 2002, wird er von der Deutschen Börse berechnet. Ins Leben gerufen hat ihn die Norddeutsche Landesbank. Trotzdem kennen ihn die wenigsten Anleger.
Ein Index nach Vorbild aus Bayern
Die Idee kam aus dem Süden. Die NORD/LB orientierte sich 2002 am bayerischen Regionalindex BayX30. Das Konzept war einfach: Ein Barometer für die regionale Wirtschaftskraft, ablesbar an der Börse. Hannover folgte dem Münchner Modell und schuf den NISAX20.
Die Börse Hannover betreut den Index heute. Sie beschreibt ihn als Spiegel der regionalen Wirtschaft. Die enthaltenen Unternehmen reichen von großen, international tätigen Konzernen bis zu kleineren Firmen mit regionalem Schwerpunkt. Diese Mischung macht den NISAX20 zu einem breiten Abbild der niedersächsischen Unternehmenslandschaft.
Starke Namen, schwache Bekanntheit
Im Index stecken bekannte Unternehmen. Talanx und Continental gehören dazu. Beide zeigten 2023 starke Kursgewinne. Der gesamte NISAX legte 2023 um mehr als 5 Prozent zu. Der Deutsche Aktienindex DAX stieg im gleichen Zeitraum um rund 20 Prozent.
Der Abstand zum DAX ist deutlich. Dennoch spiegelt der NISAX20 eine reale wirtschaftliche Entwicklung wider. Niedersachsen ist eines der größten Bundesländer. Automobil, Versicherung, Energie, Handel: Die Branchenvielfalt ist erheblich.
Die Börse Hannover bringt es auf den Punkt. So vielseitig Niedersachsen landschaftlich sei, so breit sei das Bundesland wirtschaftlich aufgestellt. Der NISAX20 macht diese Vielfalt messbar.
Kein ETF, kein einfacher Zugang
Ein Problem bleibt hartnäckig bestehen. Der NISAX20 ist nicht als eigenständiges Wertpapier kaufbar. Es gibt keinen ETF auf den Index. Anleger können ihn also nicht direkt kaufen. Sie müssen stattdessen einzelne Aktien der enthaltenen Unternehmen erwerben.
Über sogenannte Endlos-Zertifikate war der NISAX zeitweise handelbar. Das ist ein Unterschied zu anderen Regionalprodukten. Beim bayerischen BayX und beim hessischen HASPAX gab es zeitlich begrenzte Zertifikate. Beim NISAX entfiel diese Befristung.
Trotzdem bleibt der Index für viele Privatanleger praktisch unerreichbar. Wer auf niedersächsische Unternehmen setzen will, muss selbst zusammenstellen, was der Index fertig liefert.
Zwei Jahrzehnte Wirtschaftsbarometer
Im Oktober 2022 feierte der NISAX20 seinen 20. Geburtstag. Die Börse Hannover würdigte das Jubiläum. Der Index habe die wirtschaftliche Entwicklung des Landes über zwei Jahrzehnte dokumentiert.
Schon zum zehnjährigen Jubiläum 2012 versuchte die NORD/LB, den Index bekannter zu machen. Großer Durchbruch blieb aus. Der NISAX20 ist ein Insidertipp geblieben. Fachleute kennen ihn. Die breite Öffentlichkeit kaum.
Was der Index leistet und was nicht
Der NISAX20 liefert eine nüchterne Bestandsaufnahme. Er zeigt, wie sich börsennotierte Unternehmen mit Niedersachsen-Bezug entwickeln. Er erfasst aber nicht den Mittelstand. Familienunternehmen, Handwerksbetriebe, nicht börsennotierte Firmen: Sie tauchen im Index nicht auf.
Das ist eine strukturelle Grenze. Niedersachsens Wirtschaftskraft speist sich zu großen Teilen aus Unternehmen, die an keiner Börse gelistet sind. Der NISAX20 bildet also nur einen Ausschnitt ab.
Fazit: Nützlich, aber unterschätzt
Der NISAX20 ist ein solides Instrument. Er gibt Orientierung über die Entwicklung der größten börsennotierten Unternehmen im Land. Er ist transparent und wird von der Deutschen Börse berechnet. Seine Schwäche liegt woanders: Bekanntheit und Zugänglichkeit fehlen.
Solange kein ETF existiert, bleibt der Index für die meisten Anleger ein Beobachtungsinstrument. Als Wirtschaftsbarometer für Niedersachsen hat er dennoch seinen Wert. Wer wissen will, wie das Land an der Börse dasteht, findet im NISAX20 eine klare Antwort.
