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Niedersachsens Seehäfen wachsen kräftig. Im ersten Halbjahr 2026 schlugen die neun niedersächsischen Seehäfen insgesamt 31,1 Millionen Tonnen Güter um. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Haupttreiber sind Container und Stückgut. Der Umschlag flüssiger Massengüter brach dagegen deutlich ein.
Wilhelmshaven vorn: Jade-Weser-Port auf Wachstumskurs
Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven ist Deutschlands einziger Tiefwasserhafen und steht hinter einem Großteil des Zuwachses. Der Containerumschlag legte dort besonders kräftig zu. Auch die Häfen in Cuxhaven, Emden und Brake verzeichneten starke Zuwächse.
Der Wilhelmshavener Hafen profitiert von seiner Lage: Große Containerschiffe können ihn direkt anlaufen, ohne die Weser oder Elbe passieren zu müssen. Das macht ihn für internationale Reedereien attraktiv.
Container und Stückgut treiben das Wachstum
Das Plus beim Gesamtumschlag geht auf zwei Warengruppen zurück. Container und Stückgüter legten deutlich zu. Industrieprodukte, Konsumgüter und Maschinen werden häufiger über niedersächsische Häfen abgewickelt.
Emden und Cuxhaven gehören zu den Gewinnern. Cuxhaven ist traditionell ein wichtiger Umschlagplatz für Windenergieanlagen und deren Komponenten. Das Wachstum dort hängt auch mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Norddeutschland zusammen.
Einbruch beim flüssigen Massengut
Der Umschlag flüssiger Massengüter sank um 21 Prozent auf 11,7 Millionen Tonnen. Zu dieser Kategorie zählen vor allem Mineralöl, Kraftstoffe und chemische Produkte.
Der Rückgang deutet auf einen strukturellen Wandel hin. Die Energiewende verändert die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen. Häfen, die stark von diesen Gütern abhängig sind, stehen unter Anpassungsdruck.
Autoumschlag unter Druck
Auch beim Fahrzeugumschlag läuft es nicht rund. Emden ist traditionell ein bedeutender Hafen für den Pkw-Export. Die schwache Nachfrage nach deutschen Fahrzeugen auf dem Weltmarkt hinterlässt Spuren in den Hafenbilanzen. Der Rückgang beim Autoumschlag ist eine direkte Folge der Krise im Volkswagen-Konzern und bei anderen Herstellern.
Energiewende als Chance für die Häfen
Die niedersächsischen Häfen richten sich auf die Energiewende aus. Cuxhaven hat sich als Logistikdrehscheibe für Offshore-Windkraft etabliert. Wilhelmshaven baut den Umschlag von Flüssigerdgas (LNG) aus. Brake und weitere Häfen setzen auf Diversifizierung, um Schwankungen bei einzelnen Warenströmen abzufedern.
Starke Bilanz mit strukturellen Fragezeichen
Die Halbjahresbilanz der niedersächsischen Seehäfen fällt insgesamt positiv aus. Sieben Prozent mehr Güter, 31,1 Millionen Tonnen Gesamtumschlag. Der starke Rückgang beim flüssigen Massengut und die Schwäche beim Autoumschlag zeigen jedoch, dass die Häfen vor einem tiefgreifenden Strukturwandel stehen.
