In Meckelfeld im Landkreis Harburg haben am Sonntag rund 500 Menschen gegen den geplanten Neubau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover demonstriert. Die Bürgerinitiative Trassenalarm hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Die Veranstalter hatten ursprünglich mit bis zu 1.000 Teilnehmern gerechnet.
Bürgerinitiative: „Diese Trasse braucht kein Mensch“
Stefan Mundt, Leiter der Bürgerinitiative Trassenalarm, eröffnete die Kundgebung mit klaren Worten. Die Neubautrasse sei schlicht überflüssig, so seine Botschaft an die Teilnehmer. Die Initiative fordert stattdessen den Ausbau und die Sanierung der bestehenden Strecken. Naturschützer schließen sich dieser Forderung an. Sie warnen vor einem ökologischen Desaster durch den Neubau.
Die Planungen für den Abschnitt Hannover-Hamburg begannen Anfang 2018. Damals wurden neben dem Bestandsstreckenausbau auch Varianten mit Ortsumfahrungen geprüft. Das Projekt trägt den Namen Alpha-E. Es ist Teil des Bundesverkehrswegeplans und soll die Verbindung zwischen den beiden Großstädten deutlich beschleunigen.
SPD-Abgeordnete zweifelt an Notwendigkeit
Auch aus der Politik kommt Gegenwind. Svenja Stadler, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Seevetal, bezweifelt die Notwendigkeit einer Neubaustrecke. Sie sprach sich gegenüber dem NDR dafür aus, zuerst die vorhandene Infrastruktur zu ertüchtigen. Damit stellt sie sich gegen die offizielle Planung der Deutschen Bahn.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil stärkt den Kritikern ebenfalls den Rücken. Auch er hat Vorbehalte gegen die Neubaupläne geäußert. Das verleiht dem Widerstand politisches Gewicht weit über die Region hinaus.
Thema erreicht den Bundestag
Die Debatte hat längst die Berliner Politik erreicht. Im Bundestag befassten sich neun Sachverständige und Interessenvertreter mit den Plänen. Sie beantworteten Fragen der Abgeordneten zur Trassenführung, zu Kosten und zu Alternativen. Ein eindeutiges Ergebnis brachte die Anhörung nicht.
Die Trassenführung ist der Kern des Konflikts. Wo die geplante Strecke verläuft, drohen Eingriffe in Ortschaften, Naturräume und landwirtschaftliche Flächen. Betroffene Gemeinden im Landkreis Harburg und entlang der geplanten Route fürchten massive Einschnitte für ihre Bewohner.
Deutsche Bahn hält an Plänen fest
Die Deutsche Bahn hat ihre Planungen bislang nicht gestoppt. Das Unternehmen sieht in der Neubaustrecke eine notwendige Erweiterung der Kapazitäten. Die bestehende Strecke zwischen Hamburg und Hannover gilt als eine der meistbefahrenen in Deutschland. Fern- und Regionalverkehr sowie Gütertransporte teilen sich das Netz.
Kritiker halten dagegen: Modernisierung und Digitalisierung der Bestandsstrecke könnten viele Probleme lösen. Ein vollständiger Neubau sei unverhältnismäßig teuer und schade der Umwelt. Bürgerinitiativen aus mehreren betroffenen Regionen koordinieren ihren Widerstand bereits seit Jahren.
Fazit
Der Protest in Meckelfeld zeigt: Der Widerstand gegen die Neubaustrecke Hamburg-Hannover ist breit aufgestellt. Bürger, Naturschützer und Politiker aus der Region sprechen mit einer Stimme. Ob das die Planung der Deutschen Bahn aufhält, ist offen. Die politische Debatte im Bund wird den weiteren Verlauf des Projekts maßgeblich beeinflussen.
