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Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat seinen Kurs in der Volkswagen-Krise konkretisiert. Bei einem Auftritt in Gifhorn erneuerte er die Forderung, dass in China entwickelte VW-Modelle auch in deutschen Werken produziert werden sollen. Das Land Niedersachsen ist zweitgrößter Anteilseigner des Konzerns.
Lies: Deutsche Werke müssen ausgelastet werden
Lies will deutsche VW-Standorte sichern, indem neue Fahrzeugmodelle dorthin verlagert werden. Konkret geht es um Modelle, die Volkswagen für den chinesischen Markt entwickelt hat. Diese sollen künftig auch hierzulande vom Band laufen.
Der Vorschlag kehrt ein gängiges Prinzip um. Bislang galten chinesische Werke oft als verlängerte Werkbank für Europa. Chinesische Entwicklungen sollen nun Deutschland Arbeit bringen.
Das Land Niedersachsen hält rund 20 Prozent der Stimmrechte bei Volkswagen. Damit sitzt die Landesregierung im Aufsichtsrat und kann Einfluss nehmen. Lies beschrieb in Gifhorn auch die Rolle des Landes im laufenden Konflikt innerhalb des Konzerns.
VW-Chef Blume: Keine Schließungen vor 2030
VW-Vorstandschef Oliver Blume hatte zuletzt auf einer Halbjahrespressekonferenz erklärt, bis 2030 seien keine Werksschließungen geplant. Gleichzeitig bestätigte er, dass Modelle aus China in deutschen Fabriken gefertigt werden könnten. Das deckt sich mit der Forderung von Lies.
Für den Konzern wäre das ein strategischer Kurswechsel. Volkswagen kämpft seit Jahren mit mehreren Belastungen. Nach dem Dieselskandal folgte der schleppende Einstieg in die Elektromobilität. Der Gewinn des Konzerns brach zuletzt um 32,9 Prozent ein.
Blumes Zusicherung bis 2030 gibt den betroffenen Standorten eine Perspektive, beantwortet aber nicht die Frage, was danach kommt. Genau hier setzt Lies mit seinem Vorschlag an: Er will die Weichen jetzt stellen.
Kritik an der Landesregierung
Nicht alle teilen die Einschätzung, dass Niedersachsen seinen Einfluss ausreichend nutzt. Kritiker werfen der Landesregierung vor, sich bei VW auf Appelle zu beschränken. Konkrete politische Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen für den Konzern blieben aus, heißt es.
Volkswagen brauche bestmögliche Rahmenbedingungen, um wirtschaftlich zu gesunden. Das betreffe Standortkosten, Energiepreise und bürokratische Auflagen. Diese Faktoren liegen zumindest teilweise im Einflussbereich von Landes- und Bundespolitik.
Aumovio auf der IAA in Hannover
Neben Volkswagen sprach Lies in Gifhorn auch über die Situation bei Aumovio. Das Unternehmen steht im Zusammenhang mit der Nutzfahrzeugbranche. Aumovio wird vom 14. bis 20. September 2026 auf der IAA Transportation in Hannover vertreten sein.
Das Unternehmen zeigt dort Technologien für elektrifizierte und automatisierte Nutzfahrzeuge. Der Druck auf die Transportbranche ist hoch: steigende Kosten, Fahrermangel und neue regulatorische Vorgaben treffen die Unternehmen gleichzeitig. Aumovio will auf der Messe konkrete wirtschaftliche Lösungen für Hersteller und Flotten präsentieren.
Niedersachsen ist mit der IAA in Hannover ein zentraler Standort für die Nutzfahrzeugbranche in Deutschland. Die Messe gilt als wichtige Plattform für technologische Ankündigungen im Transportsektor.
Fazit
Olaf Lies positioniert sich als aktiver Mitgestalter in der VW-Krise. Der Vorschlag, China-Modelle in Deutschland zu bauen, ist konkret und passt zur Strategie von Konzernchef Blume. Ob daraus tatsächlich neue Produktionsaufträge für niedersächsische Werke werden, ist offen.
