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Leere Ladenlokale, schmutzige Gehwege, fehlende Aufenthaltsqualität: Viele Innenstädte in Niedersachsen stehen unter Druck. Der Strukturwandel im Einzelhandel hinterlässt sichtbare Spuren. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) schlägt Alarm.
Leerstände ziehen weitere Schließungen nach sich
Ein leer stehendes Geschäft ist mehr als ein optisches Problem. Es wirkt auf die gesamte Einkaufsstraße. Passanten bleiben aus, wenn mehrere Schaufenster dunkel bleiben. Weniger Laufkundschaft bedeutet weniger Umsatz für die verbliebenen Händler.
In Burgdorf stehen gut ein Dutzend Geschäfte in der Innenstadt leer. Wo früher Einzelhändler verkauften, ziehen Dienstleister ein. Friseursalons, Versicherungsbüros und Arztpraxen ersetzen den klassischen Laden. Das verändert den Charakter der Einkaufsstraße grundlegend.
In Braunschweig beobachtet die Braunschweig Zukunft GmbH die Entwicklung seit Sommer 2021 systematisch. Schließungen und Neueröffnungen halten sich die Waage, doch die Qualität des Angebots verändert sich. Der stationäre Einzelhandel verliert Fläche.
Vermüllte Ecken schrecken Kunden ab
Leerstände und Verwahrlosung hängen direkt zusammen. Unbewohnte oder ungenutzte Ladenlokale ziehen illegale Müllablagerungen an. Verschmutzte Eingänge und vermüllte Nischen machen das Einkaufsumfeld unattraktiv.
Das trifft den gesamten Standort. Wer sich in einer Innenstadt unwohl fühlt, bleibt beim nächsten Mal weg. Der Onlinehandel bietet eine bequeme Alternative, weshalb Innenstädte mit Aufenthaltsqualität gegenhalten müssen.
Einzelhändler fordern konkrete Maßnahmen. Städte sollen Eigentümer von Leerständen stärker in die Pflicht nehmen. Gepflegte Schaufenster, auch in ungenutzten Ladenlokalen, könnten das Stadtbild verbessern. Kreative Zwischennutzungen wie Kunstausstellungen in leeren Schaufenstern sind ein Ansatz, lösen aber das strukturelle Problem nicht.
IHK-Studie: Weniger Passanten in Emden
Die IHK für Ostfriesland und Papenburg hat die Passantenfrequenz in Emden untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Neutorstraße zieht deutlich weniger Menschen an als früher. Ihre Funktion als zentraler Anziehungspunkt der Innenstadt steht in Frage.
Das Problem ist nicht auf einzelne Städte beschränkt. Es betrifft Kommunen unterschiedlicher Größe in ganz Niedersachsen. Kleine Städte wie Oebisfelde kämpfen ebenso wie mittelgroße Zentren.
In Oebisfelde hat die Second-Hand-Boutique nach etwas mehr als einem Jahr wieder geschlossen. Kleine Läden finden im Wettbewerb mit dem Onlinehandel schwer einen wirtschaftlichen Weg. Nachfolger für frei werdende Flächen sind kaum zu finden.
Innenstädte brauchen ein Gesamtkonzept
Stadtentwickler betonen: Ein einzelner Laden allein reicht nicht mehr. Innenstädte müssen als Gesamtsystem funktionieren, in dem Handel, Gastronomie, Wohnen, Mobilität und öffentliche Räume ineinandergreifen.
Städte, die nur auf den Einzelhandel setzen, werden scheitern. Gefragt sind Orte, an denen Menschen gern Zeit verbringen. Gastronomie und kulturelle Angebote sind dabei zentral. Wer kommt, um Kaffee zu trinken, kauft auch ein.
Das setzt voraus, dass die öffentlichen Räume einladend gestaltet sind. Sauberkeit, Sicherheit und gute Erreichbarkeit sind Grundvoraussetzungen. Ohne diese Basis helfen auch Ansiedlungsprogramme wenig.
Eigentümer und Kommunen müssen handeln
Die Verantwortung liegt bei mehreren Akteuren. Immobilieneigentümer müssen Leerstände aktiv bewirtschaften. Hohe Mietvorstellungen erschweren die Neuvermietung an kleinere Händler. Manche Flächen stehen deshalb jahrelang leer.
Kommunen können Druck ausüben und Anreize setzen. Förderprogramme für Innenstadtentwicklung gibt es auf Landes- und Bundesebene. Ob die Mittel gezielt und schnell eingesetzt werden, ist eine andere Frage.
Innenstadtmanager wie in Flensburg sollen den Prozess koordinieren. Sie vermitteln zwischen Händlern, Eigentümern und der Stadtverwaltung. Ob das Modell auf niedersächsische Städte übertragbar ist, hängt von den vorhandenen Ressourcen ab.
Gegensteuern oder Abwärtstrend riskieren
Wer jetzt nicht gegensteuert, riskiert einen selbstverstärkenden Abwärtstrend: Leerstände ziehen Verwahrlosung an, Verwahrlosung vertreibt Kunden, weniger Kunden bedeuten weitere Schließungen.
Die Lösungsansätze sind bekannt: Eigentümer in die Pflicht nehmen, Zwischennutzungen fördern, öffentliche Räume aufwerten und Innenstädte als lebendige Orte begreifen. Ob Kommunen und Händler diesen Weg konsequent gehen, wird über die Zukunft vieler niedersächsischer Stadtzentren entscheiden.
