Der Niedersächsische Landtag hat am 27. Mai 2026 einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Fall Yashar G. eingesetzt. Der Hannoveraner Staatsanwalt soll jahrelang ein Drogenkartell mit vertraulichen Informationen versorgt haben. Die CDU spricht von einem der schwersten Justizskandale in der Geschichte Niedersachsens.
Ein Staatsanwalt im Dienst der organisierten Kriminalität
Yashar G. war Staatsanwalt in Hannover und zugleich Boxtrainer. Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück soll er der Täterseite im größten Kokainverfahren der europäischen Geschichte geheime Informationen zugespielt haben. Er wurde im Oktober 2024 verurteilt. Gegen das Urteil legte er Revision ein.
Nach dem Prozess wurde auch seine Ex-Partnerin verurteilt. Das Gericht befand sie der Strafvereitelung für schuldig. Der Fall zieht damit weitere Kreise in der niedersächsischen Justiz.
Untersuchungsausschuss soll Verantwortung klären
Der Landtag beschloss den Antrag der CDU-Fraktion einstimmig. Damit stimmten auch die Abgeordneten der SPD für den Ausschuss, obwohl die Partei ihn intern als entbehrlich bewertet hatte. Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss soll nun die Abläufe im Justizministerium durchleuchten.
Im Mittelpunkt steht eine zentrale Frage: Wann erfuhr das niedersächsische Justizministerium von den Vorwürfen gegen Yashar G.? Trotz des bestehenden Verdachts soll der Staatsanwalt noch fast zwei Jahre lang in sensiblen Verfahren weitergearbeitet haben. Tausende Akten hatte er in dieser Zeit bewegt.
CDU attackiert Ministerin Wahlmann
Die CDU-Fraktion richtet ihre Kritik direkt gegen Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD). Die Fraktion wirft ihr Führungsversagen im Ministerium vor. Wer einen Verdächtigen so lange in sensiblen Verfahren lässt, trage Mitverantwortung, lautet der Vorwurf.
Die CDU hatte bereits Anfang März 2026 einen Untersuchungsausschuss gefordert. Damals kündigte die Fraktion den Antrag öffentlich an und nannte den Fall einen schweren Justizskandale. Der Beschluss vom 27. Mai folgte dieser Ankündigung.
SPD sieht Ausschuss skeptisch
Die SPD stimmte dem Ausschuss zwar zu, machte aber deutlich, dass sie ihn für nicht zwingend notwendig hält. Für die Regierungspartei ist die parlamentarische Aufarbeitung offenbar politisch motiviert. Den Vorwurf des Führungsversagens weist sie zurück.
Strukturelles Problem: Kontrolle innerhalb der Justiz
Der Fall Yashar G. wirft grundsätzliche Fragen auf. Wie konnte ein Staatsanwalt über Jahre hinweg für kriminelle Strukturen arbeiten? Welche Kontrollmechanismen versagten? Und wie viele Verfahren sind durch seinen Verrat möglicherweise belastet?
Die Staatsanwaltschaft Osnabrück führte die Ermittlungen gegen G. Das Verfahren betraf das größte Kokainverfahren in der Geschichte Europas. Dass ein Vertreter der Strafverfolgungsbehörden die Gegenseite informierte, erschütterte das Vertrauen in die niedersächsische Justiz erheblich.
Der Untersuchungsausschuss muss nun klären, wie tief der Schaden reicht. Tausende Akten, die Yashar G. bearbeitet hat, stehen unter Verdacht. Betroffene Verfahren könnten neu bewertet werden müssen.
Fazit: Aufarbeitung unter politischem Druck
Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss beginnt seine Arbeit unter erheblichem politischen Druck. Die CDU will Verantwortliche benennen und das Justizministerium in Erklärungsnot bringen. Die SPD muss Ministerin Wahlmann schützen und gleichzeitig glaubwürdig zur Aufklärung beitragen. Der Fall Yashar G. wird den Landtag in Hannover noch lange beschäftigen.
