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1.910 Unternehmen in Niedersachsen haben im Jahr 2025 Insolvenz angemeldet. Das Landesamt für Statistik Niedersachsen hat diese Zahlen bekannt gegeben. Gegenüber dem Vorjahr sind das 86 Fälle mehr, ein Anstieg von rund fünf Prozent. Der Trend zeigt damit weiter nach oben, auch wenn das Wachstum schwächer ausfällt als noch im Vorjahr.
Fünf Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahr
Die niedersächsischen Amtsgerichte verzeichneten 2025 deutlich mehr Insolvenzanträge als 2024. Der Anstieg von rund fünf Prozent setzt eine Entwicklung fort, die bereits seit mehreren Jahren anhält. Im Vorjahr war der prozentuale Zuwachs noch deutlich stärker ausgefallen. Die Dynamik hat sich damit etwas abgeschwächt, das Grundproblem bleibt aber bestehen.
Das Landesamt für Statistik Niedersachsen erfasst alle Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bei den Amtsgerichten im Land. Jeder dieser Anträge steht für ein Unternehmen, das seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Hinter jedem Fall stehen Arbeitsplätze, offene Rechnungen und Lieferketten, die reißen.
Kfz-Branche und Baugewerbe besonders betroffen
Zwei Branchen stechen bei den Insolvenzzahlen besonders hervor: das Kraftfahrzeuggewerbe und das Baugewerbe. Beide Sektoren stehen seit Jahren unter erheblichem Druck. Im Baubereich haben gestiegene Materialkosten und hohe Zinsen viele Betriebe in die Enge getrieben. Aufträge blieben aus, Kalkulationen gingen nicht mehr auf.
Die Kfz-Branche leidet unter dem strukturellen Wandel hin zur Elektromobilität. Viele kleinere Betriebe haben Schwierigkeiten, die notwendigen Investitionen zu stemmen. Gleichzeitig geht die Nachfrage nach klassischen Verbrennern zurück. Händler und Werkstätten geraten so von zwei Seiten unter Druck.
Folgen für Beschäftigte
Jede Unternehmensinsolvenz betrifft nicht nur die Eigentümer. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz oder müssen um ihren Lohn bangen. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt in solchen Fällen Insolvenzgeld für bis zu drei Monate. Dennoch entstehen erhebliche Unsicherheiten für die Betroffenen.
Gerade im Handwerk und im Baugewerbe sind viele Beschäftigte in kleinen und mittleren Betrieben tätig. Diese Unternehmen haben häufig weniger Rücklagen als Großkonzerne. Eine Insolvenz trifft sie daher schneller und härter.
Großunternehmen auf Wachstumskurs
Auf der anderen Seite steht ein gegensätzliches Bild. Die 100 größten Unternehmen in Niedersachsen haben ihren Umsatz zuletzt um rund sieben Prozent auf 548 Milliarden Euro gesteigert. Auch die Beschäftigtenzahl wuchs bei diesen Firmen um 1,2 Prozent. Die wirtschaftliche Lage im Land ist also nicht einheitlich.
Der Kontrast ist deutlich: Während die großen Konzerne zulegen, kämpfen viele kleine und mittlere Betriebe ums Überleben. Diese Spaltung zwischen Groß und Klein zieht sich durch die gesamte Wirtschaftsstruktur des Landes.
Strukturwandel als Dauerproblem
Die Insolvenzwelle ist kein kurzfristiges Phänomen. Sie spiegelt einen tieferen Wandel in der niedersächsischen Wirtschaft wider. Hohe Energiekosten, veränderte Nachfrage und gestiegene Finanzierungskosten belasten vor allem traditionelle Branchen. Betriebe, die sich nicht anpassen, geraten unter Druck.
Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Viele Unternehmen finden keine qualifizierten Mitarbeiter mehr. Das bremst das Wachstum und erhöht die Kosten. Gerade für kleinere Firmen wird es schwieriger, wettbewerbsfähig zu bleiben.
Fazit
Die Zahl von 1.910 Insolvenzen in Niedersachsen im Jahr 2025 ist ein klares Signal. Kfz-Gewerbe und Baubranche stehen unter besonderem Druck. Der Anstieg hat sich gegenüber dem Vorjahr zwar verlangsamt, der Trend ist aber ungebrochen. Für Beschäftigte in den betroffenen Branchen bedeutet das anhaltende Unsicherheit. Die Politik ist gefragt, gezielte Unterstützung für die besonders betroffenen Sektoren zu entwickeln.
