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Temperaturen über 30 Grad im Schatten, überhitzte Gruppenräume und keine gesetzliche Möglichkeit, die Betreuung zu verkürzen: Kitas in Niedersachsen stehen in Hitzewellen vor einem strukturellen Problem. Anders als Schulen haben sie kein Instrument, das dem klassischen Hitzefrei entspricht. Den Betreuungsauftrag müssen sie erfüllen, egal wie hoch das Thermometer klettert.
Kein Hitzefrei, aber volle Verantwortung
Schulen dürfen bei großer Hitze den Unterricht verkürzen oder ausfallen lassen. Für Kitas gilt das nicht. Sie haben einen verbindlichen Betreuungsauftrag gegenüber den Familien. Dieser Auftrag endet nicht bei 30, 35 oder 40 Grad Außentemperatur.
Kleinkinder reagieren auf Hitze empfindlicher als Erwachsene. Ihr Körper kann überschüssige Wärme schlechter regulieren. Das Risiko einer Überhitzung oder Dehydrierung ist real. Auch die Erzieherinnen und Erzieher sind betroffen: Sie arbeiten stundenlang in aufgeheizten Räumen.
In manchen Kitas wurden während Hitzewellen Raumtemperaturen von über 40 Grad gemessen. Das sind keine Ausnahmen, sondern ein wiederkehrendes Problem in schlecht gedämmten oder unzureichend ausgestatteten Gebäuden.
Klimaanlagen sind die Ausnahme, nicht die Regel
Viele Kita-Gebäude in Deutschland haben keine Klimaanlage. Das gilt auch für Neubauten. Einrichtungen, die erst vor wenigen Jahren errichtet wurden, sind oft nicht mit entsprechender Technik ausgestattet. Das ist ein planerisches Versäumnis, das sich im Sommer rächt.
In anderen europäischen Ländern gehören Klimaanlagen in Betreuungseinrichtungen längst zum Standard. In Deutschland ist das bislang die Ausnahme. Träger und Leitungskräfte müssen deshalb mit einfachen Mitteln improvisieren.
Was Kitas tatsächlich tun können
Schatten, ausreichend Trinken und leichte Kleidung sind die gängigsten Maßnahmen. Viele Einrichtungen verlegen Aktivitäten in den frühen Morgenstunden nach draußen. Rollläden und Jalousien werden tagsüber geschlossen. Planschbecken und Wasserangebote sorgen für Abkühlung.
Diese Maßnahmen helfen, ersetzen aber keine baulichen oder technischen Lösungen. Und sie kosten Zeit und Personal, das ohnehin knapp ist.
Fachkräftemangel verschärft die Lage
Bundesweit fehlten im vergangenen Jahr rund 125.000 Erzieherinnen und Erzieher. Das hat der Paritätische Gesamtverband dokumentiert. In Niedersachsen ist die Situation nicht grundlegend anders. Wo Personal fehlt, sind Schutzmaßnahmen schwerer umzusetzen.
Weniger Personal bedeutet weniger Aufsicht auf dem Außengelände und weniger Kapazität, um Kinder gezielt zu beobachten und auf Hitzesymptome zu achten. Der Fachkräftemangel ist damit an heißen Tagen auch ein gesundheitliches Risiko.
Strukturelles Problem braucht strukturelle Antworten
Einzelne Kitas reagieren pragmatisch und kreativ. Doch das reicht nicht als Dauerlösung. Die Sommer werden heißer, das zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Die Politik ist gefragt.
Niedersachsen und andere Bundesländer müssen klären: Welche Mindeststandards gelten für Raumtemperaturen in Kitas? Wann darf eine Einrichtung die Betreuung einschränken, um Kinder und Personal zu schützen? Und wer finanziert die notwendige Ausstattung?
Bislang gibt es darauf keine einheitlichen Antworten. Träger und Leitungskräfte handeln eigenverantwortlich, oft ohne klare rechtliche Grundlage.
Handlungsbedarf
Die Situation in Kitas bei Extremhitze betrifft täglich tausende Kinder und Beschäftigte in Niedersachsen. Der Betreuungsauftrag muss aber mit den nötigen Mitteln unterlegt werden. Bauliche Standards, klare Regelungen und ausreichend Personal sind keine Luxus, sondern Voraussetzung für sicheres Arbeiten und sicheres Aufwachsen, auch bei 35 Grad im Schatten.
