Dr. Holger Hennies macht den nächsten Schritt. Der Präsident des Landvolks Niedersachsen kandidiert für das Amt des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes. Der 56-jährige Landwirt und Agrarwissenschaftler aus Uetze will von der Landesebene auf die nationale Ebene wechseln. Sein zentrales Thema: der Abbau von Bürokratie als Standortfaktor für die deutsche Landwirtschaft.
Vom Landvolk an die Spitze des Bauernverbandes
Der Deutsche Bauernverband ist die größte Interessenvertretung der deutschen Landwirtschaft. Wer diesen Verband führt, gehört zu den bekanntesten Lobbyisten des Landes. Hennies kennt diese Welt seit Jahren. Er steht bereits als Vizepräsident auf der Kandidatenliste des Verbandes.
In Niedersachsen hat er sich eine breite Basis erarbeitet. Die Landvolk-Mitgliederversammlung bestätigte ihn zuletzt mit knapp 96 Prozent der Delegiertenstimmen im Amt. Rund 300 Delegierte stimmten damals für ihn. Das Landvolk Niedersachsen vertritt rund 77.000 Mitglieder aus knapp 40.000 Betrieben.
Seinen ersten Präsidentenposten erreichte Hennies knapp. Bei seiner ersten Wahl stimmten 90 von 164 Delegierten für ihn. Mitbewerber Jörn Ehlers erhielt 74 Stimmen. Seitdem hat Hennies seine Position deutlich gefestigt.
Bürokratie als Kernthema
Hennies benennt ein klares politisches Ziel. Bürokratie sei ein ernstes Standortproblem für die Landwirtschaft. Er fordert mehr betriebliche Verantwortung und mehr Vertrauen in moderne Produktionsmethoden.
Start-ups, neue Haltungsverfahren und innovative Züchtungsmethoden stoßen nach seiner Einschätzung zu oft an Genehmigungsgrenzen. Das bremse Fortschritt und schwäche den Wirtschaftsstandort Deutschland. Hennies setzt auf Deregulierung statt auf neue Vorschriften.
Bereits Anfang 2025 hatte er einen Politikwechsel nach der Bundestagswahl gefordert. Seine Idee: Die politische Zuständigkeit für Land- und Forstwirtschaft soll künftig in einem einzigen Bundesressort gebündelt werden. Zersplitterte Zuständigkeiten kosteten Zeit und Geld.
Forderung nach einem starken Agrarministerium
Für Hennies ist die Forderung nach einem schlagkräftigen Agrarministerium auf Bundesebene kein neues Thema. Er argumentiert, dass die Landwirtschaft nur dann wettbewerbsfähig bleibt, wenn politische Entscheidungen schneller und klarer getroffen werden. Mehrere Ministerien mit Überschneidungen verlangsamten Prozesse und schadeten den Betrieben direkt.
Niedersachsen als Agrarland mit Gewicht
Dass ein Niedersachse nach der nationalen Verbandsspitze greift, ist kein Zufall. Niedersachsen gehört zu den bedeutendsten Agrarländern Deutschlands. Milchwirtschaft, Schweinehaltung, Ackerbau und Gartenbau haben dort erhebliches wirtschaftliches Gewicht.
Hennies kennt diese Strukturen aus eigener Erfahrung als Landwirt. Die Verbindung zwischen praktischer Betriebserfahrung und Verbandspolitik gilt als Stärke seiner Kandidatur.
Modernisierung als Linie
Hennies hat sich in Niedersachsen als Modernisierer positioniert. Er setzt auf Innovationen in der Tierhaltung und neue Technologien im Pflanzenbau. Gleichzeitig fordert er verlässliche politische Rahmenbedingungen. Unternehmer bräuchten Planungssicherheit, keine ständig wechselnden Regeln.
Ob mehr unternehmerisches Risiko in der Landwirtschaft trägt, bleibt eine offene Debatte. Hennies bejaht das deutlich. Er sieht Regulierungsabbau nicht als Risiko, sondern als Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Höfe.
Ein Niedersachse mit klarem Kurs
Holger Hennies tritt mit einem klar erkennbaren Programm an: weniger Bürokratie, ein starkes Agrarministerium, mehr Vertrauen in moderne Methoden. Ob er die Führung des Deutschen Bauernverbandes übernimmt, entscheiden die Delegierten des Verbandes.
