Der Harz trägt schwere Narben. Dürre, Sturm und Borkenkäfer haben in den vergangenen Jahren Tausende Hektar Wald vernichtet. Allein im Forstamtsbereich Lauterberg starben seit 2018 rund 7.700 Hektar ab. Das Bergwaldprojekt will gegensteuern: 150 Freiwillige pflanzten im Revier Braunlage 3.500 neue Bäume.
Jahrzehnte der Monokultur rächen sich
Die Wurzel des Problems liegt Jahrzehnte zurück. Der Harz war über lange Zeit von Fichten-Monokulturen geprägt. Diese Wälder galten als wirtschaftlich effizient, erwiesen sich aber als anfällig: wenig Widerstandskraft gegen Trockenheit, kaum Schutz gegen Schädlinge.
Die Dürrejahre zwischen 2018 und 2022 brachten das System zum Kollaps. Der Borkenkäfer nutzte die geschwächten Bäume. Fläche um Fläche starb ab. Was übrig blieb, sind kahle Hänge und totes Holz.
Der Harz gehört damit zu den am stärksten betroffenen Regionen in Niedersachsen. Die Schäden sind so groß, dass professionelle Forstwirte allein nicht ausreichen. Freiwillige Helfer werden gebraucht.
35 Jahre Einsatz für den Wald
Das Bergwaldprojekt wurde 1987 gegründet. Seit 1991 engagierten sich über 50.000 Freiwillige bundesweit für den Schutz der Wälder. Der Verein feierte 2025 sein 35-jähriges Bestehen.
Das Jubiläum wurde im Revier Braunlage begangen. Am 25. Oktober 2025 kamen 150 Helferinnen und Helfer zusammen. Gemeinsam mit Vertreterinnen aus Politik und Umweltverbänden pflanzten sie 3.500 Bäume.
Das Ziel: weg von der anfälligen Fichte, hin zum klimastabileren Mischwald. Verschiedene Baumarten sollen den Wald widerstandsfähiger machen. Ein Mischwald verkraftet Trockenheit und Schädlingsbefall besser als eine Monokultur.
Freiwillige als tragende Säule
Die Arbeit des Bergwaldprojekts basiert auf Ehrenamt. Die Teilnehmenden sind keine ausgebildeten Forstwirte. Sie kommen aus vielen Berufen und Altersgruppen und lernen vor Ort die Zusammenhänge im Wald kennen.
Die Pflanzsaison folgt festen Regeln. Die jungen Bäume werden von Hand in den Boden gesetzt. Das ist mühsame Arbeit auf unebenem Gelände. Im Harz kommt erschwerend hinzu, dass viele Flächen schwer zugänglich sind.
Das Interesse wächst trotzdem. Das Bergwaldprojekt verzeichnet jedes Jahr tausende Teilnehmende. Bundesweit sind die Einsatzwochen schnell ausgebucht.
Waldumbau braucht Geld und Zeit
Die Wiederbewaldung des Harzes ist ein Projekt auf Jahrzehnte. Einzelne Pflanzaktionen allein reichen dafür nicht aus. Der Waldumbau braucht dauerhafte Finanzierung.
Bund und Land Niedersachsen haben Förderprogramme aufgelegt. Der Aufwand ist erheblich: Allein die Flächen im Forstamt Lauterberg entsprechen einem Vielfachen der Fläche Hannovers.
Neben dem aktiven Aufforsten gibt es einen anderen Ansatz. Im Nationalpark Harz gilt auf dem Großteil der Fläche das Prinzip der Naturverjüngung. Der Wald soll sich dort selbst regenerieren. Außerhalb des Nationalparks, auf forstwirtschaftlichen Flächen, ist aktives Eingreifen gefragt.
Mischwald als Antwort auf den Klimawandel
Forstfachleute sind sich einig: Die reine Fichte hat im Harz keine Zukunft mehr. Künftige Wälder müssen aus verschiedenen Arten bestehen. Buche, Eiche, Weißtanne und Bergahorn gelten als geeignete Mischbaumarten für den Harz.
Diese Arten vertragen Hitze und Trockenheit besser und bieten mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Die 3.500 Bäume bei Braunlage sind ein kleiner Schritt, stehen aber für eine klare Richtung: Jeder gepflanzte Baum ist ein Baustein für einen stabilen Wald der nächsten Generationen.
Kleines Symbol, große Aufgabe
Der Harz braucht langfristige Anstrengungen, keine einmaligen Aktionen. Das Bergwaldprojekt leistet seit 35 Jahren einen verlässlichen Beitrag. Die Jubiläumspflanzung bei Braunlage zeigt, dass ehrenamtliches Engagement und forstliche Facharbeit sich ergänzen können. Der Weg zurück zum stabilen Wald ist lang.
