Niedersachsen setzt Geld gegen das Höfesterben ein. Das Landwirtschaftsministerium in Hannover hat ein Förderprogramm aufgelegt, das jungen Menschen den Einstieg in die Landwirtschaft erleichtern soll. Wer einen Hof gründet oder übernimmt, kann künftig eine staatliche Prämie beantragen.
Zwei Förderstufen je nach Übernahmeform
Das Programm unterscheidet zwischen zwei Szenarien. Bei einer außerfamiliären Hofgründung gibt es bis zu 100.000 Euro. Wer einen Betrieb innerhalb der Familie übernimmt, erhält bis zu 70.000 Euro. Ziel ist es laut Ministerium, junge Landwirtinnen und Landwirte beim Einstieg in die Selbstständigkeit zu unterstützen.
Für das aktuelle Antragsverfahren stehen gut zwei Millionen Euro Landesmittel bereit. Mit diesem Budget sollen landesweit zwischen 20 und maximal 28 Junglandwirtinnen und Junglandwirte gefördert werden. Die Zahl der Plätze ist damit stark begrenzt.
Frauen werden bevorzugt berücksichtigt
Das Programm enthält eine besondere Regelung für Frauen. Bewerbungen von Landwirtinnen sollen bei der Vergabe besonders berücksichtigt werden. Das Ministerium will damit den Frauenanteil in der Branche gezielt stärken.
Antragsberechtigt sind grundsätzlich junge Menschen, die erstmals einen landwirtschaftlichen Betrieb gegründet haben oder dies konkret vorhaben. Eine genaue Altersobergrenze nennt das Ministerium im Zusammenhang mit diesem spezifischen Programm nicht. Das bestehende Agrarinvestitionsförderungsprogramm des Landes sieht für Junglandwirte bis 40 Jahre separate Zusatzförderungen vor.
Landvolk sieht Bedarf, kritisiert aber die Umsetzung
Das Landvolk Niedersachsen bewertet das Programm gespalten. Der Bauernverband erkennt die Notwendigkeit an, den Generationenwechsel in der Landwirtschaft politisch zu begleiten. Die konkrete Ausgestaltung der Förderrichtlinie sieht das Landvolk jedoch kritisch.
Welche Details genau bemängelt werden, ließ der Verband offen. Grundsätzlich gilt: 28 Förderstellen für ein Flächenland wie Niedersachsen sind eine überschaubare Zahl. Das Land Niedersachsen zählt mehrere zehntausend landwirtschaftliche Betriebe.
Höfesterben als politisches Problem
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft ist seit Jahren ein Thema in der Landespolitik. Viele Betriebe finden keine Nachfolger. Gerade kleine und mittlere Höfe geben auf, wenn die nächste Generation kein Interesse zeigt oder die wirtschaftliche Grundlage fehlt.
Die außerfamiliäre Hofübernahme gilt als besonders schwierig. Kaufpreise für Hofstellen und Flächen sind hoch. Ohne Eigenkapital oder Förderung scheitern viele Gründungsversuche bereits in der Planungsphase. Genau hier setzt das neue Programm an.
Fazit: Ansatz richtig, Reichweite gering
Niedersachsen setzt mit dem Förderprogramm ein klares Signal. Der Staat will den Generationenwechsel auf Höfen aktiv mitgestalten. Das ist ordnungspolitisch eine bewusste Entscheidung. Zwei Millionen Euro und maximal 28 Förderstellen sind jedoch ein schmaler Rahmen für ein Agrarland dieser Größe. Ob das Programm dauerhaft ausgeweitet wird, bleibt eine offene Frage der Haushaltspolitik in Hannover.
