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Das VW-Werk in Osnabrück steht vor einer tiefgreifenden Umwandlung. Die niedersächsische Landesregierung prüft, ob sie sich finanziell an dem Standort beteiligt. Ziel ist offenbar der Umbau des Werks von der Automobil- zur Rüstungsproduktion. Das bestätigte ein Sprecher der Landesregierung in Hannover.
Hannover bestätigt Prüfauftrag
Der Sprecher der niedersächsischen Landesregierung formulierte es knapp: „Es wird in verschiedene Richtungen geprüft.“ Konkrete Entscheidungen sind bislang nicht gefallen. Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ hatte als erstes über die mögliche Landesbeteiligung berichtet. Demnach gibt es am Regierungssitz in Hannover ernsthafte Überlegungen zu einem Einstieg.
Niedersachsen ist bereits Anteilseigner beim Volkswagen-Konzern. Eine direkte Beteiligung an einem einzelnen Werk wäre jedoch ein ungewöhnlicher Schritt. Die Landesregierung schweigt bislang zu Details und zur Höhe einer möglichen Beteiligung.
Rüstungskonzern Rafael im Gespräch
Parallel zu den Planungen in Hannover laufen Gespräche mit der Rüstungsindustrie. VW-Konzernchef Oliver Blume bestätigte, dass Verhandlungen mit Unternehmen aus der Verteidigungsbranche in einem fortgeschrittenen Stadium sind. Namentlich fiel dabei das Osnabrücker Werk.
Berichte nennen den israelischen Rüstungskonzern Rafael als möglichen Partner. Rafael gehört zu den größten Rüstungsunternehmen der Welt und stellt unter anderem Lenkwaffen, Drohnenabwehrsysteme und militärische Elektronik her. Eine Entscheidung über einen möglichen Einstieg soll nach früheren Berichten bald fallen.
Mögliche Aufspaltung in zwei Gesellschaften
Dem „Handelsblatt“ zufolge gibt es ein weiteres Szenario für das Werk. Demnach könnte der Standort in zwei getrennte Gesellschaften aufgeteilt werden. Eine Einheit würde die verbleibende Automobilproduktion weiterführen, die andere die Rüstungsfertigung.
Dieses Modell würde es erleichtern, unterschiedliche Investoren und Partner einzubinden. Ob das Land Niedersachsen in eine oder beide Gesellschaften einsteigen würde, ist nicht bekannt. Die Landesregierung hat sich dazu nicht geäußert.
Betriebsrat und IG Metall eingebunden
Die Landesregierung sucht das Gespräch mit Arbeitnehmervertretern. Wirtschaftsminister Olaf Lies traf sich mit Betriebsräten und Gewerkschaftsvertretern. Anschließend informierten Vizeministerprästidentin Julia Willie Hamburg und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo gemeinsam über die Beratungen.
Ministerpräsident Stephan Weil plant Besuche in den VW-Werken Osnabrück und Emden. Niedersachsen hat als VW-Anteilseigner traditionell ein starkes Interesse an den Standorten.
Standort in der Krise
Das VW-Werk Osnabrück ist bekannt für die Produktion von Sondermodellen und Kleinstserien. Zuletzt fertigte das Werk den VW T-Roc Cabriolet. Die Auslastung des Standorts ist seit Jahren ein Problem.
Der gesamte Volkswagen-Konzern steckt in einer Strukturkrise. Werksschließungen, Stellenabbau und sinkende Absatzzahlen belasten das Unternehmen. Osnabrück gilt dabei als besonders gefährdeter Standort. Für die rund 2.300 Beschäftigten steht viel auf dem Spiel.
Fazit
Die Pläne rund um das VW-Werk Osnabrück sind noch nicht entschieden. Die Landesregierung prüft eine Beteiligung, Gespräche mit Rüstungsunternehmen laufen. Ob aus dem Autowerk ein Rüstungsstandort wird, hängt von Verhandlungen ab, die offenbar unter Hochdruck geführt werden. Für Osnabrück und Niedersachsen wäre eine solche Transformation politisch und wirtschaftlich ein Novum.
