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Rund 50 Prozent Füllstand: Deutschlands Gasspeicher gehen schwächer in die Heizsaison als in den Vorjahren. Der Marktgebietsverantwortliche THE hält die gesetzlichen Speicherziele für den Winter für gefährdet. Niedersachsen blickt als wichtiges Gasförderland mit Sorge auf die kommenden Monate.
Füllstand deutlich unter Vorjahresniveau
Die deutschen Gasspeicher wiesen Ende August einen Füllstand von gut 50 Prozent auf. Das ist für diese Jahreszeit ein niedriger Wert. THE hält es für ungewiss, ob die gesetzlichen Speicherziele noch erreicht werden.
In den Jahren nach der Energiekrise 2022 waren die Speicher zum gleichen Zeitpunkt deutlich besser gefüllt. Damals hatte Deutschland den Abschied vom russischen Gas vollzogen und massiv in alternative Versorgungswege investiert.
Speicherbetreiber fordern Entlastungen bei der Einspeicherung und verlangen politische Maßnahmen, um das Befüllen wirtschaftlich attraktiver zu machen. Ohne Anreize bleibe der Füllstand hinter den Zielen zurück.
Geopolitik treibt die Gaspreise
Der Konflikt im Nahen Osten belastet die Gasmärkte zusätzlich. Der Iran-Krieg sorgt für Unsicherheit bei den globalen Gaslieferungen und treibt die Preise an den europäischen Märkten nach oben.
Deutschland bezieht Gas heute hauptsächlich über Flüssiggasterminals sowie Pipelines aus Norwegen und den Niederlanden. Die Abhängigkeit vom russischen Gas ist seit 2022 beendet. Die neue Lieferstruktur ist jedoch teurer und anfälliger für geopolitische Schwankungen.
Für Verbraucher bedeutet das steigende Heizkosten im Winter. Energieversorger kalkulieren bereits mit höheren Beschaffungskosten. Eine Entspannung der Lage vor dem Winter gilt als unwahrscheinlich.
Niedersachsen in doppelter Rolle
Förderland und Verbraucher zugleich
Niedersachsen ist das wichtigste Erdgasförderland Deutschlands. Im Untergrund lagern bedeutende Speicherkapazitäten, etwa in Rehden bei Diepholz. Der Speicher Rehden ist einer der größten Erdgasspeicher Europas.
Trotzdem ist das Land auf eine stabile Gesamtversorgung angewiesen. Industrie und Haushalte im Norden Deutschlands benötigen verlässliche Gasmengen für den Winter. Bei einer mehrwöchigen Kältephase könnte die Entnahme die Einspeisung übersteigen.
Regionale Mangellage nicht ausgeschlossen
Fachleute warnen vor einer möglichen regionalen Mangellage. Das gilt auch für Bayern, wo die eigenen Speicher laut Wirtschaftsminister Aiwanger noch leerer sind. In anderen Regionen könnte Gas bei anhaltend tiefem Frost ebenfalls knapp werden.
Die Bundesnetzagentur beobachtet die Lage eng. Sie kann im Notfall Prioritäten bei der Gasversorgung setzen. Haushalte haben dabei Vorrang vor der Industrie.
Was Verbraucher jetzt wissen müssen
Wer einen Gasvertrag hat, sollte die Preisentwicklung beobachten. Viele Tarife sind an Marktpreise gekoppelt. Bei steigenden Großhandelspreisen folgen oft Preiserhöhungen für Endkunden.
Energieberater empfehlen, Thermostate bewusst einzustellen und den Verbrauch zu senken. Das gilt besonders in Phasen mit sehr niedrigen Temperaturen.
Unternehmen mit hohem Gasverbrauch sollten prüfen, ob ein temporärer Wechsel auf andere Energieträger möglich ist.
Knappe Speicher, offene Fragen
Deutschland geht mit einem Gasspeicherstand von rund 50 Prozent in den Herbst. Die gesetzlichen Ziele für den Winter sind gefährdet. Geopolitische Risiken und fehlende Einspeicheranreize verschärfen die Lage.
Niedersachsen verfügt über große Speicherkapazitäten, ist aber auf ein funktionierendes Gesamtsystem angewiesen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Speicher noch weiter befüllt werden können. Ein kalter Winter würde die Versorgungslage stark belasten.
