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Niedersachsens Umwelt- und Landwirtschaftsministerium macht Druck beim Meeresschutz. Ein gemeinsamer Vorschlag der beiden Ministerien sieht vor, bestimmte Bereiche der niedersächsischen Nordseeküste für die Fischerei zu sperren. Betroffen wären Gebiete nördlich von Borkum, südöstlich von Wangerooge, im östlichen Jadebusen sowie vor Teilen der Wurster Nordseeküste.
Was die Landesregierung plant
Der Entwurf wurde im Rahmen eines sogenannten Fischereidialogs vorgelegt. Ziel ist es, den Meeresschutz im Wattenmeer auszuweiten. Die vorgesehenen Zonen sollen fischereifreie Bereiche werden. Andere Nutzungen wie Baden oder Angeln vom Ufer wären davon nicht betroffen.
Die Pläne folgen einem europaweiten Trend. Die EU-Wiederherstellungsverordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten, geschädigte Ökosysteme zu renaturieren. Schutzgebiete in Nord- und Ostsee sollen dabei eine zentrale Rolle spielen. Deutschland hat in diesem Bereich noch erheblichen Nachholbedarf.
Fischer und Umweltschützer unzufrieden
Der Vorschlag stößt von zwei Seiten auf Widerstand. Fischer befürchten Einschränkungen ihrer Erwerbsgrundlage und sehen ihre traditionellen Fanggründe bedroht. Für viele Betriebe an der Küste wären Verbote in diesen Gebieten wirtschaftlich spürbar.
Auch Naturschutzorganisationen sind nicht vollständig zufrieden. Der NABU kritisiert, dass die bisherigen Schutzgebiete in Deutschland oft nur auf dem Papier existieren. Eine NABU-Studie belegt, dass die tatsächliche Schutzwirkung vielerorts gering ist. Der Verband fordert konsequentere Maßnahmen, die mit der EU-Verordnung im Einklang stehen.
Schutz auf dem Papier reicht nicht
Das Problem ist bekannt: Viele ausgewiesene Meeresschutzgebiete erlauben weiterhin Fischerei. So dürfen etwa im Charlie-Gibbs-Meeresschutzgebiet im Atlantik Fische in der Wassersäule nach wie vor gefangen werden. Ähnliche Lücken gibt es auch in deutschen Gewässern. Umweltverbände verlangen, dass neue Schutzgebiete echte Verbote enthalten.
Wattenmeer unter besonderem Druck
Das Wattenmeer gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist eines der bedeutendsten Küstenökosysteme der Welt. Millionen Zugvögel rasten hier, zahlreiche Fischarten nutzen das Watt als Kinderstube. Dennoch ist das Gebiet durch intensive Nutzung belastet.
Bodenschleppnetze gelten als besonders schädlich, weil sie Lebensräume am Meeresgrund dauerhaft zerstören. Genau hier setzt der Ansatz der Landesregierung an: Fischereifreie Zonen sollen empfindliche Bereiche dauerhaft schützen.
Dialog zwischen Wirtschaft und Naturschutz
Der Fischereidialog soll alle Beteiligten an einen Tisch bringen. Fischer, Naturschutzverbände und Behörden sollen gemeinsam Lösungen erarbeiten. Das ist politisch ambitioniert, denn die Interessen liegen weit auseinander.
Vergleichbare Prozesse in anderen Bundesländern zeigen: Einigung braucht Zeit. In der Ostsee wurden zuletzt drei neue Meeresschutzgebiete ausgewiesen, in denen die Natur nun Vorrang hat. Fischerei, Rohstoffabbau und Bauvorhaben sind dort verboten. Die Schifffahrt ist bislang noch nicht eingeschränkt.
Niedersachsen muss Farbe bekennen
Niedersachsen hat die längste Nordseeküste aller deutschen Bundesländer. Die Verantwortung für das Wattenmeer ist entsprechend groß, und der politische Druck durch EU-Recht wächst. Die Ministerien müssen einen Weg finden, der rechtlich tragfähig und praktisch umsetzbar ist. Die EU-Fristen drängen.
Fazit
Niedersachsens Pläne für neue Fischereiverbote im Wattenmeer stoßen auf Widerstand aus der Fischerei, während Umweltverbände die Maßnahmen als unzureichend bewerten. Der Fischereidialog steht damit vor der Aufgabe, konkrete Kompromisse zu finden, die echten Schutz garantieren und die Küstenfischerei nicht ruinieren.
