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Deutschland produziert so wenig Stahl wie seit 16 Jahren nicht mehr. Im Jahr 2025 wurden nur noch 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugt. Das sind rund neun Prozent weniger als im bereits schwachen Vorjahr. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlwerke fiel auf unter 70 Prozent. Die Branche fordert von der Politik entschlossenes Handeln.
Vier Jahre in Folge unter der Marke von 40 Millionen Tonnen
Zum vierten Mal in Folge blieb die deutsche Stahlproduktion unter 40 Millionen Tonnen. Vergleichbare Werte gab es seit der deutschen Wiedervereinigung nur während der weltweiten Finanzkrise. Damals, im Jahr 2009, wurden 32,7 Millionen Tonnen produziert.
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl spricht von einem vierten Krisenjahr in Folge. Der Rückgang 2025 ist kein einmaliger Ausreißer, sondern Ausdruck einer strukturellen Schwäche der Branche.
Ursachen der Krise
Schwache Nachfrage aus der Industrie
Die wichtigsten Abnehmer der Stahlindustrie laufen schlecht. Automobilbau, Maschinenbau und Bauwirtschaft schwächeln. Wer weniger produziert, bestellt auch weniger Stahl. Die Nachfrage aus dem Inland ist deutlich zurückgegangen.
Importdruck aus Drittstaaten
Günstige Importe drängen auf den europäischen Markt. Rund jede dritte in der EU eingesetzte Tonne Stahl kam 2025 aus Ländern außerhalb der EU. Billigstahl aus Asien und anderen Regionen drückt die Preise europäischer Hersteller. Für deutsche Werke ist das ein erheblicher Wettbewerbsnachteil.
Hohe Energiekosten belasten die Produktion
Stahl herstellen braucht viel Energie. Die Strompreise in Deutschland liegen deutlich über dem europäischen Durchschnitt, was die Produktion erheblich verteuert. Wettbewerber in anderen Ländern produzieren zu niedrigeren Kosten. Deutsche Stahlwerke können preislich kaum mithalten.
Was die Branche von der Politik verlangt
Die Stahlindustrie fordert konkrete Maßnahmen von Bund und EU: günstigere Strompreise für energieintensive Industrien, wirksamen Schutz vor Billigimporten aus Drittstaaten und verlässliche Rahmenbedingungen für die grüne Transformation.
Die Branche will auf klimafreundliche Produktion umstellen. Wasserstoffbasierte Stahlherstellung gilt als zentraler Weg dafür. Doch diese Umrüstung kostet Milliarden. Ohne staatliche Unterstützung sei sie kaum zu stemmen, heißt es aus der Branche.
Bedeutung für Niedersachsen
Die Krise trifft auch Niedersachsen. Salzgitter ist einer der größten Stahlstandorte Deutschlands, die Salzgitter AG gehört zu den führenden Stahlproduzenten des Landes. Schwache Produktionszahlen und hoher Kostendruck machen sich auch dort bemerkbar.
Salzgitter arbeitet an einer Transformation hin zu grünem Stahl. Das Projekt trägt den Namen SALCOS und soll die CO2-Emissionen der Produktion massiv senken. Der wirtschaftliche Druck erschwert solche Langfristinvestitionen jedoch zunehmend.
Die Stahlbranche sichert Tausende direkte und indirekte Arbeitsplätze in der Region. Eine anhaltende Schwäche des Sektors hat Folgen für den gesamten Wirtschaftsstandort Niedersachsen.
Strukturkrise braucht strukturelle Antworten
Vier aufeinanderfolgende Krisenjahre zeichnen ein anderes Bild als ein einzelnes schwaches Jahr. Schwache Nachfrage, Importdruck und hohe Energiekosten sind keine kurzfristigen Probleme. Sie erfordern politische Antworten mit langem Atem. Ob Berlin und Brüssel diese liefern, wird über die Zukunft eines wichtigen Industriezweigs entscheiden.
