Die Deutsche Messe AG in Hannover steht unter Druck. Im Vergleich der sechs größten deutschen Messeplätze belegt der niedersächsische Standort hinteren Plätze. Frankfurt, München und Nürnberg drängen vor. Das Gelände in Hannover ist zwar das flächenmäßig größte der Welt. Doch Fläche allein sichert keine Wettbewerbsfähigkeit.
Frankfurt und München setzen den Maßstab
Die Messe Frankfurt erwirtschaftet rund 775 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. München gilt als Wachstumsmotor, Nürnberg gewinnt kontinuierlich Marktanteile. Hannover kommt in dieser Rangliste nicht gut weg. Die Deutsche Messe AG verzeichnet weniger Aussteller, weniger Besucher und geringere Erlöse als die Konkurrenz aus dem Süden und Westen.
Das Messegelände in Hannover umfasst rund 466.000 Quadratmeter überdachte Ausstellungsfläche. Trotz dieser enormen Kapazität bleibt die Auslastung hinter den Möglichkeiten zurück. Zuletzt startete die Hannover Messe mit spürbar weniger belegter Ausstellungsfläche als in früheren Jahren.
Verlust der CeBIT als Wendepunkt
Ein Symbol des Rückgangs war die Einstellung der CeBIT im Jahr 2018. Die einst weltgrößte IT-Messe schrumpfte über Jahre. Schließlich zog die Deutsche Messe AG die Konsequenz und strich das Format. Der Verlust traf den Standort Hannover hart. Die CeBIT hatte Hunderttausende Besucher aus aller Welt angezogen.
Seitdem sucht Hannover nach neuen Formaten. Einige Nischenmessen wurden übernommen oder neu positioniert. Doch ein gleichwertiger Ersatz für die CeBIT ist bislang nicht in Sicht. Der Wettbewerb zwischen den deutschen Messestandorten ist dabei kein Phänomen der jüngeren Vergangenheit. Er verschärft sich jedoch seit Jahren.
Digitalisierung verändert das Messegeschäft
Die Digitalisierung stellt die gesamte Branche vor neue Fragen. Virtuelle Messen und Online-Plattformen wurden in der Corona-Pandemie zur Notlösung. Nach dem Ende der Beschränkungen kehrten die Aussteller zurück. Doch das Vor-Corona-Niveau wurde vielerorts noch nicht erreicht.
Messen haben nach wie vor einen klaren Vorteil: persönlicher Kontakt, direkte Produktpräsentation, Netzwerken vor Ort. Das lässt sich digital nur begrenzt abbilden. Trotzdem passen viele Unternehmen ihre Messepräsenzen an. Kleinere Stände, gezieltere Auftritte, weniger Fläche.
Hannover spürt diesen Trend besonders. Die Hannover Messe als Flaggschiff zieht weiterhin internationale Aussteller an. Der Fokus auf Industrie, Automatisierung und Energie bleibt relevant. Doch auch hier sinkt die gebuchte Ausstellungsfläche im Vergleich zu früheren Hochzeiten.
Deutschland bleibt Messeweltmeister
Im internationalen Maßstab steht Deutschland insgesamt gut da. Kein anderes Land bündelt so viele internationale Leitmessen. Der Geschäfts- und Kongresstourismus trägt erheblich zur Wirtschaftsleistung bei. Hannover ist Teil dieser Erfolgsgeschichte, aber nicht mehr deren unbestrittener Mittelpunkt.
Die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen sind Hauptgesellschafter der Deutschen Messe AG. Damit liegt die wirtschaftliche Verantwortung auch bei der öffentlichen Hand. Politische Entscheidungen über Investitionen und Strategie haben direkte Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
Investitionen als Schlüssel
Um den Anschluss nicht zu verlieren, braucht Hannover gezielte Investitionen. Das betrifft die Infrastruktur des Geländes ebenso wie die Entwicklung neuer Formate. Frankfurt und München investieren kontinuierlich in ihre Messestandorte. Hannover muss nachziehen, will es die Lücke schließen.
Dabei geht es nicht allein um Gebäude und Technik. Die Positionierung einzelner Messen im globalen Wettbewerb entscheidet über Aussteller- und Besucherzahlen. Wer als Weltleitmesse gilt, zieht internationale Aufmerksamkeit auf sich. Wer diesen Status verliert, verliert Umsatz.
Fazit: Hannover braucht eine klare Strategie
Der Messeplatz Hannover steht an einem Scheideweg. Die Infrastruktur ist vorhanden, die Tradition ist stark. Doch der Wettbewerb schläft nicht. Frankfurt, München und Nürnberg wachsen, während Hannover Marktanteile abgibt. Ohne eine klare strategische Ausrichtung und gezielte Investitionen droht der Abstand größer zu werden. Niedersachsen hat ein ureigenes wirtschaftliches Interesse daran, dass die Deutsche Messe AG diesen Rückstand aufholt.
