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Weniger Straftaten, mehr beschlagnahmtes Vermögen: Das neue Lagebild zur Clankriminalität in Niedersachsen zeigt ein zwiespältiges Bild. Die Fallzahlen erreichen ein Fünfjahrestief. Die abgeschöpften Vermögenswerte dagegen einen Fünfjahreshöchststand.
Straftaten auf tiefstem Stand seit fünf Jahren
Im Jahr 2024 registrierten niedersächsische Behörden rund 3.145 Straftaten im Bereich Clankriminalität. Das entspricht einem Rückgang von mehr als zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist der dritte Rückgang in Folge. Mehr als 2.500 dieser Fälle wurden der Clankriminalität im engeren Sinne zugeordnet.
Innenministerin Daniela Behrens wertet die Entwicklung als Erfolg der konsequenten Strafverfolgung. Sie spricht von einem deutlichen Rückgang der Fall- und Tatverdächtigenzahlen auf ein Fünfjahrestief und betont, dass dies keine Selbstverständlichkeit sei.
Das Gefahrenpotenzial schätzen Polizei und Justiz dennoch als hoch ein. Beinahe jede zweite tatverdächtige Person trat im vergangenen Jahr mehrfach in Erscheinung. Die Strukturen krimineller Großfamilien sind damit weiterhin aktiv.
Rekordsumme bei der Vermögensabschöpfung
Parallel zu sinkenden Fallzahlen erzielten die Ermittlungsbehörden einen neuen Höchstwert bei der Sicherstellung kriminell erlangter Vermögenswerte. Rund 5,35 Millionen Euro wurden vorläufig gesichert, der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre.
Die Vermögensabschöpfung gilt als zentrales Instrument gegen organisierte Kriminalität: Wer sein Vermögen nicht erklären kann, verliert es. Das trifft Clan-Mitglieder, die offiziell kein Einkommen angeben, aber einen aufwendigen Lebensstil pflegen.
Staatsanwälte berichten von typischen Mustern: offiziell arbeitslos, aber Fahrzeuge der Luxusklasse. Solche Fälle sind Ausgangspunkt für Ermittlungen zur Vermögensherkunft. Niedersachsen bildet Staatsanwälte bereits in der Assessorenzeit gezielt für Vermögensabschöpfung fort.
Razzia in Hildesheim als Beispiel
Ein konkretes Beispiel lieferte eine Razzia in Hildesheim. Dabei beschlagnahmten Ermittler mehr als ein Kilogramm Heroin und eine fünfstellige Summe Bargeld. Betroffen waren Angehörige einer kriminellen Großfamilie in der Region.
Kritik am Begriff bleibt bestehen
Der Begriff „Clankriminalität“ ist in Fachkreisen umstritten. Kritiker sehen die Gefahr einer pauschalen Stigmatisierung von Großfamilien mit Migrationshintergrund. Befürworter halten dagegen, dass der Begriff eine klar definierte Form organisierter Kriminalität beschreibt.
Niedersachsen hält an dem Begriff fest. Die Behörden verweisen auf eindeutige Kriterien für die Zuordnung von Fällen. Nur wer bestimmte Tatmuster und Familienstrukturen aufweist, fließt in die Statistik ein.
Landesregierung sieht Strategie bestätigt
Innen- und Justizministerium sehen in den Zahlen eine Bestätigung ihrer Strategie. Der Ansatz aus konsequenter Strafverfolgung und gezielter Vermögensabschöpfung zeige Wirkung. Sinkende Fallzahlen und steigende Abschöpfungssummen schließen sich demnach nicht aus.
Die regionalen Schwerpunkte der Clankriminalität liegen laut Lagebild vor allem in städtischen Ballungsräumen. Ländliche Regionen sind weniger betroffen.
Fortschritt mit Vorbehalt
Niedersachsen kann auf sinkende Fallzahlen verweisen. Die Rekordsumme bei der Vermögensabschöpfung zeigt, dass die Behörden härter zugreifen als in den Vorjahren. Die hohe Wiederholungsrate bei Tatverdächtigen dämpft den Befund jedoch: Kriminelle Strukturen lösen sich nicht auf, weil die Statistik besser aussieht.
