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Forscher haben im Bistum Hildesheim 84 mutmaßliche Täter sexualisierter Gewalt identifiziert, die bislang in keiner früheren Studie auftauchten. Das sind erste Zwischenergebnisse einer laufenden Untersuchung, die Wissenschaftler am Donnerstagabend, 9. Juli, an der Universität Hildesheim vorstellten. Das Dunkelfeld reicht demnach deutlich weiter als bisher angenommen.
Neue Studie, neue Dimensionen
Die Forscher werteten für ihre Untersuchung das Archiv des Bistums Hildesheim aus. Dort fanden sie Hinweise auf insgesamt 84 Personen, gegen die ein Verdacht sexualisierter Gewalt besteht. Diese Namen waren in vorangegangenen Studien nicht erfasst worden. Die Auswertung bezieht sich auf Fälle ab dem Jahr 1945.
Die Studie ist noch nicht abgeschlossen. Was am Donnerstagabend präsentiert wurde, sind erste Zwischenergebnisse. Die Forscher betonten, dass die Untersuchung weiterläuft. Mit einem vollständigen Abschlussbericht ist erst zu einem späteren Zeitpunkt zu rechnen.
Der Untersuchungsgegenstand ist breit angelegt. Die Forscher schauen sich Missbrauch in Kirchengemeinden, Heimen und Schulen an. Auch die Amtszeit des amtierenden Bischofs Heiner Wilmer wird in die Untersuchung einbezogen.
Öffentliche Veranstaltung in Hildesheim
Die Zwischenergebnisse wurden im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung an der Universität Hildesheim präsentiert. Neben den bisherigen Befunden stellten die Wissenschaftler auch die nächsten Schritte ihres Forschungsprojekts vor.
Die Veranstaltung war öffentlich zugänglich. Betroffene, Kirchenvertreter und Interessierte konnten die Präsentation verfolgen.
Strukturelles Problem über Jahrzehnte
Die Zahl 84 steht nicht für Einzelfälle. Sie zeigt, dass sexualisierte Gewalt im Bistum Hildesheim über Jahrzehnte ein strukturelles Problem war. Täter waren offenbar in verschiedenen kirchlichen Einrichtungen aktiv. Die bisherigen Aufarbeitungsprozesse haben das volle Ausmaß nicht erfasst.
Das Bistum Hildesheim erstreckt sich über weite Teile Niedersachsens. Bischof Heiner Wilmer hat das Amt seit 2018 inne.
Frühere Studien hatten bereits Fälle sexualisierter Gewalt in der Diözese dokumentiert. Die neue Untersuchung geht tiefer in die Archivbestände. Dadurch kommen Namen und Vorfälle ans Licht, die bislang nicht bekannt waren.
Aufarbeitung als langer Prozess
Die katholische Kirche in Deutschland steht seit Jahren unter Druck, Missbrauch systematisch aufzuarbeiten. Bistümer in verschiedenen Bundesländern haben Studien in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse regelmäßig erschütternd ausfallen.
Auch in Hildesheim zeigt sich: Archivarbeit braucht Zeit. Viele Akten sind fragmentarisch, manche Hinweise in allgemeinen Personalakten versteckt. Forscher müssen Material aus Jahrzehnten sichten, ordnen und bewerten.
Die Studie für das Bistum Hildesheim ist Teil dieser bundesweiten Aufarbeitungsbewegung. Die Zwischenergebnisse zeigen, dass das Ende dieser Aufarbeitung noch nicht erreicht ist.
Fazit
Die neuen Erkenntnisse aus Hildesheim belegen, dass frühere Untersuchungen zu kurz griffen. 84 bislang unbekannte Tatverdächtige sind eine erschreckende Zahl. Sie verpflichtet das Bistum und die Forscher, die Arbeit konsequent fortzuführen. Betroffene haben ein Recht darauf, dass alle Fälle lückenlos dokumentiert werden.
