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Rund 800 Beschäftigte der Süßwarenindustrie sind am Dienstag in Lüneburg auf die Straße gegangen. Mit einem 24-stündigen Warnstreik erhöhten sie den Druck auf die Arbeitgeber im laufenden Tarifstreit. Organisiert hat den Ausstand die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Protest in Lüneburg: Kundgebung und Demonstrationszug
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reisten mit Bussen aus der gesamten Region an. Laut NGG kamen auch Beschäftigte aus anderen Bundesländern nach Lüneburg. Um 9.30 Uhr begann die Kundgebung am Filmpalast. Anschließend zogen die Streikenden durch die Innenstadt.
Finn Petersen von der Gewerkschaft NGG machte deutlich, wie groß der Unmut unter den Beschäftigten ist. Die fehlende Einigung bei den Tarifverhandlungen habe die Stimmung in den Betrieben deutlich verschlechtert.
Niedersächsische Betriebe stark vertreten
Aus Niedersachsen beteiligten sich Beschäftigte mehrerer Unternehmen an dem Protest. Darunter waren Mitarbeiter des Keksherstellers Bahlsen, des Salzgebäckproduzenten Lorenz sowie des Eisherstellers Mövenpick. Allein aus der Region Hannover streikten mehr als 1.000 Bahlsen-Beschäftigte.
Insgesamt rief die NGG Beschäftigte von 20 Unternehmen in Niedersachsen zu dem Warnstreik auf. Auch Betriebe in Bremen und Hamburg sowie im Tarifgebiet Hamburg und Schleswig-Holstein waren betroffen. Die Produktionsbänder in Keks-, Eis- und Marmeladenfabriken standen für 24 Stunden still.
Hintergrund: Festgefahrene Tarifverhandlungen
Die Tarifverhandlungen für die norddeutsche Süßwarenindustrie laufen seit Wochen ohne Ergebnis. Die Gewerkschaft NGG fordert eine Lohnerhöhung von 5,8 Prozent. Die Arbeitgeber haben bisher kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt, wie die NGG betont.
Ähnliche Streiks gab es bereits in anderen Regionen Deutschlands. In der Aachener Region legten Mitte Juni rund 700 Beschäftigte die Arbeit nieder. Auch dort war die zweite Tarifverhandlungsrunde ohne Einigung geblieben.
Folgen für Verbraucher noch unklar
Ob Verbraucher die Auswirkungen des Ausstands in den Supermarktregalen spüren werden, ist derzeit nicht absehbar. Ein eintägiger Warnstreik führt nicht zwingend zu Versorgungsengpässen. Große Hersteller wie Bahlsen haben in der Regel Lagerbestände, die kurzfristige Produktionsausfälle abpuffern können.
Druck auf Arbeitgeber soll steigen
Die NGG sieht in dem Warnstreik ein klares Signal an die Gegenseite. Weitere Aktionen schließt die Gewerkschaft nicht aus, sollten die Verhandlungen weiter stocken. Wann die nächste Tarifverhandlungsrunde stattfindet, war zunächst nicht bekannt.
Für die betroffenen Unternehmen bedeutet der Ausstand vor allem einen Produktionsausfall an einem vollen Arbeitstag. In der Sommerzeit ist die Nachfrage nach Eisprodukten hoch. Der Zeitpunkt des Streiks dürfte daher auch strategisch gewählt sein.
