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521 Medikamente sind in Deutschland derzeit nicht lieferbar. Das trifft Patienten, Apotheken und Ärzte in Niedersachsen hart. Schmerzmittel, Asthmasprays und Antidepressiva gehören zu den betroffenen Präparaten. Die Ursachen liegen weit entfernt: in Indien und China.
Hunderte Präparate nicht verfügbar
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte verzeichnet zum Jahresstart 2026 rund 546 Lieferengpässe. Besonders betroffen sind Medikamente für Lunge, Herz und Psyche. Für viele Patienten in Niedersachsen bedeutet das: Das gewohnte Präparat ist in der Apotheke nicht mehr zu bekommen.
Apotheken und Ärzte im Kreis Diepholz berichten von konkreten Problemen im Alltag. Mal fehlt ein Asthmaspray, mal ein Antidepressivum, mal ein gängiges Schmerzmittel.
Produktion in Asien als Schwachstelle
Die Ursache liegt in der globalen Lieferkette. Ein Großteil der Wirkstoffe für europäische Medikamente wird in Indien und China produziert. Störungen dort wirken sich direkt auf die Versorgung in Deutschland aus.
Diese Abhängigkeit ist seit Jahren bekannt. Trotzdem hat sich strukturell wenig geändert. Der Marktdruck zwingt Hersteller, auf günstige Produzenten in Asien zu setzen. Europäische Produktionskapazitäten wurden abgebaut.
Onkologie besonders sensibel
Besonders heikel sind Engpässe bei Krebsmedikamenten. Manche Präparate in der Onkologie lassen sich nicht einfach ersetzen. Mediziner sprechen von Wirkstoffen, für die kein alternatives Mittel zur Verfügung steht. Selbst bei austauschbaren Präparaten sorgen Engpässe bei Patienten für Verunsicherung.
Apotheken suchen Alternativen, oft vergeblich
Apotheken versuchen, mit Ersatzpräparaten zu helfen. Doch das funktioniert nicht immer. Manche Wirkstoffe haben keine gleichwertige Alternative. Dann müssen Ärzte neue Rezepte ausstellen. Das kostet Zeit, Nerven und Geld.
Die gesetzlichen Krankenkassen sehen sich nicht zuständig für Lösungen. Der GKV-Spitzenverband verweist auf die einzelnen Krankenkassen. Eine koordinierte Antwort auf die Engpässe bleibt aus.
Bundestag reagierte, Wirkung fraglich
Der Bundestag hatte bereits reagiert. Nach anhaltenden Engpässen, besonders bei Kinderpräparaten, beschloss das Parlament eine Reihe von Maßnahmen, darunter eine ausgeweitete Lagerhaltung. Auch ein Kabinettsbeschluss zur Vermeidung von Lieferengpässen wurde gefasst.
Die Wirkung dieser Maßnahmen lässt auf sich warten. Die aktuellen Zahlen zeigen: Das Problem ist nicht gelöst. Die Engpässe halten an.
Niedersachsen ohne eigene Handlungsmittel
Auf Landesebene sind die Möglichkeiten begrenzt. Die Zulassung und Versorgungssicherheit von Arzneimitteln ist Bundesangelegenheit. Niedersachsen kann allenfalls Druck auf Berlin ausüben. Direkte Eingriffe in die Lieferketten sind dem Land verwehrt.
Strukturproblem ohne schnelle Lösung
Die Medikamentenknappheit in Niedersachsen ist kein vorübergehendes Phänomen. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Abhängigkeit von asiatischen Produzenten und eines rein preisgetriebenen Arzneimittelmarkts. Patienten, Apotheken und Ärzte tragen die Last dieser Fehlentwicklung täglich. Politische Ankündigungen gibt es viele. Spürbare Verbesserungen stehen noch aus.
