Im Wendland wächst Wein. Annika Schönfeld bewirtschaftet in Belitz einen Weinberg mit 2000 Rebstöcken. Die Quereinsteigerin hat sich damit ein ungewöhnliches Standbein in einer Region aufgebaut, die bislang nicht für Weinbau bekannt ist.
Weinbau weit im Norden
Deutschland hat klassische Weinregionen: Rheinhessen, die Mosel, das Badische. Niedersachsen gehört nicht dazu. Dennoch gibt es hier vereinzelte Winzer, die dem Klima trotzen. Das Wendland im Landkreis Lüchow-Dannenberg zählt zu den wärmeren Ecken des Landes. Die Sommer sind trocken und lang. Das schafft Bedingungen, die Weinbau möglich machen.
Annika Schönfeld nutzt genau diese Bedingungen. Ihr Weinberg liegt in Belitz, einem kleinen Ort im Wendland. Dort hat sie 2000 Rebstöcke gepflanzt. Das Ergebnis ist ein Rosé, den sie selbst erzeugt und vermarktet.
Quereinsteigerin mit eigenem Konzept
Schönfeld kommt nicht aus dem Weinbau. Sie ist Quereinsteigerin. Das bedeutet: kein Familienbetrieb im Rücken, keine jahrzehntelange Erfahrung, kein überliefertes Wissen aus der Region. Stattdessen hat sie sich das Handwerk selbst angeeignet.
Solche Werdegänge sind im deutschen Weinbau selten. Die meisten Weingüter sind Familienbetriebe, oft über Generationen gewachsen. Wer von außen kommt, muss sich Respekt erst erarbeiten, auch bei Kunden.
Im Wendland kommt ihr Konzept offenbar an. Weinbergführungen gehören zum Angebot. Besucher können den Betrieb besichtigen und mehr über den Anbau erfahren. Das verbindet Landwirtschaft mit Tourismus, ein Modell, das in Niedersachsen auf dem Land funktioniert.
Klimawandel öffnet neue Anbaugebiete
Dass Weinbau im Wendland überhaupt möglich ist, hat auch mit veränderten klimatischen Verhältnissen zu tun. Die Vegetationsperioden werden länger. Sommer bringen mehr Wärme. Rebsorten, die früher nur im Süden reiften, gedeihen heute weiter nördlich.
Forscher und Landwirte beobachten diese Verschiebung seit Jahren. Für klassische Anbaugebiete birgt das Risiken. Hitze und Trockenheit können Ernten gefährden. Für neue Regionen wie das Wendland eröffnen sich dagegen Chancen.
Schönfeld ist nicht die einzige, die diese Chance nutzt. In ganz Norddeutschland entstehen kleine Weinbetriebe. Sie sind wirtschaftlich überschaubar. Als regionale Nischenprodukte finden sie aber oft ein treues Publikum.
Robuste Rebsorten als Grundlage
Für den Anbau im Norden eignen sich vor allem pilzresistente Rebsorten, sogenannte Piwis. Sie kommen mit kühleren Temperaturen zurecht und brauchen weniger Pflanzenschutzmittel. Das macht sie für kleine Betriebe attraktiv. Welche Sorten Schönfeld in Belitz anbaut, ist aus den vorliegenden Informationen nicht bekannt.
Regionaler Mehrwert im ländlichen Raum
Das Wendland steht oft im Zeichen struktureller Debatten. Die Region ist dünn besiedelt. Arbeitsplätze auf dem Land fehlen vielerorts. Kleinteilige landwirtschaftliche Projekte wie der Weinberg in Belitz können hier einen Beitrag leisten.
Sie schaffen keine Massen an Arbeitsplätzen. Aber sie binden Menschen an die Region, erzeugen lokale Wertschöpfung und stärken die Identität eines Ortes. Weinbau verbindet Landschaft, Produkt und Geschichte. Das zieht Besucher an.
Für das Wendland, das durch seinen Widerstand gegen das Atomlager Gorleben bundesweit bekannt wurde, ist ein Weinberg ein ungewöhnliches, aber positives Signal. Die Region zeigt, dass sie mehr zu bieten hat als politische Symbolik.
Fazit
Annika Schönfeld bewirtschaftet in Belitz ein kleines, aber bemerkenswertes Weingut. 2000 Rebstöcke im Wendland sind kein industrieller Betrieb. Sie sind ein Zeichen dafür, was Eigeninitiative und veränderte klimatische Bedingungen ermöglichen können. Weinbau in Niedersachsen bleibt eine Nische. Aber diese Nische hat Zukunft.
