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Das Land Niedersachsen weitet sein Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) aus. Rund 20,7 Millionen Euro zusätzlich stehen für den Umbau von Schweineställen bereit. In der Praxis aber profitieren nur sehr wenige Betriebe davon.
Förderung nur für höhere Haltungsformen
Das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung (BUT) ist ausgelaufen. Anträge können noch bis zum 31. August 2026 gestellt werden. Danach übernimmt das AFP die Förderung für Investitionen in tiergerechte Ställe.
Der Haken liegt in den Bedingungen. Förderfähig sind nur Betriebe der Haltungsformen 3, 4 und 5, also die höchsten Stufen mit besonders weitreichenden Tierwohlvorgaben. Nur etwa fünf Prozent der Schweine in Niedersachsen werden derzeit in diesen Formen gehalten.
Die große Mehrheit der Schweinehalter im Land geht damit leer aus. Niedersachsen hat bundesweit den höchsten Schweinebestand. Die Reichweite der Förderung steht dazu in keinem Verhältnis.
Landvolk spricht von Goldrandlösung
Das Landvolk Niedersachsen übt scharfe Kritik. Verbandspräsident Dr. Holger Hennies bezeichnet die Landesvorgaben als Goldrandlösung. Die Anforderungen gingen weit über die bundesweiten Standards hinaus. Das erschwere Investitionen unnötig, so Hennies.
Besonders im Fokus: die Regelungen für Sauenhalter. Ab 2027 soll Niedersachsen die AFP-Hürden für diese Betriebsgruppe über das Bundesniveau anheben. Das Landvolk warnt vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Betrieben in anderen Bundesländern.
Landwirte beklagen seit längerem, dass hohe Landesauflagen Investitionen in Niedersachsen unattraktiver machen als anderswo. Der Vorwurf: Das Land handle gegen seine eigenen Interessen als führendes Schweineerzeugerland.
Ministerin Otte-Kinast setzt auf Umbau
Agrarministerin Barbara Otte-Kinast von der CDU hält am eingeschlagenen Kurs fest. Sie sieht den Umbau der Tierhaltung als notwendigen Schritt hin zu einer gesellschaftlich akzeptierten Landwirtschaft.
Die Förderung über das AFP soll dabei als Anreiz wirken. Betriebe, die in höhere Haltungsformen investieren, sollen finanziell unterstützt werden.
Kritiker entgegnen: Wer nur fünf Prozent der Tiere erreicht, schafft keinen breiten Umbau. Die Masse der Betriebe bleibe ohne Unterstützung. Gerade kleinere und mittlere Schweinehalter könnten sich den Sprung in höhere Haltungsformen kaum leisten.
Strukturwandel beschleunigt sich
Niedersachsen verliert seit Jahren Schweinehalter. Die Betriebszahlen sinken, während die Bestände je Betrieb steigen. Viele Betriebe stehen vor der Frage: investieren oder aufgeben. Genau in dieser Situation greift die neue Förderung für die meisten nicht. Wer nicht bereits in den höheren Haltungsformen wirtschaftet oder direkt dahin wechseln kann, bekommt keine Unterstützung.
Die Regionen Cloppenburg und Vechta im Oldenburger Münsterland sind besonders betroffen. Dort ist die Schweinehaltung ein wirtschaftlicher Pfeiler. Viele Betriebe dort arbeiten in den Haltungsformen 1 und 2 und fallen damit durch das Raster der neuen Förderung.
Fazit
Niedersachsen stellt zusätzliche Mittel für den Umbau der Tierhaltung bereit. Die Umsetzung aber erreicht kaum jemanden. Auflagen, die über Bundesstandards hinausgehen, begrenzen die Wirkung auf einen kleinen Teil der Branche. Das Landvolk hat seinen Vorwurf konkret formuliert. Die Landesregierung muss erklären, wie der Umbau gelingen soll, wenn das Förderprogramm an der Mehrheit der Betriebe vorbeigeht.
