Niedersachsen startet in diesem Sommer die größte Digitalisierungsoffensive seiner Schulgeschichte. Ab dem neuen Schuljahr erhalten alle Schülerinnen und Schüler der siebten Klassen sowie rund 83.000 Lehrkräfte leihweise ein Tablet. Das rot-grüne Kabinett in Hannover treibt das Vorhaben mit konkreten Zahlen voran.
44.000 Geräte bereits ausgeliefert
Die Auslieferung hat bereits begonnen. Landesweit wurden bisher 44.000 Tablets an die Schulen geliefert. Das ist der erste Schritt eines mehrstufigen Plans. Bis zum Schuljahr 2026/27 soll die Gesamtzahl auf rund 160.000 Geräte steigen. Weitere Jahrgänge sollen schrittweise folgen.
Allein im Landkreis Diepholz werden 2.500 Tablets verteilt. Das zeigt: Das Programm greift bis in die Fläche des Landes. Selbst Grundschulen sollen berücksichtigt werden, zumindest was die Ausstattung der Lehrkräfte betrifft.
Das Land zahlt 125 Euro pro Gerät
Finanziert wird das Programm über einen Landeszuschuss. Pro Tablet-PC zahlt Niedersachsen künftig 125 Euro. Die Geräte werden den Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften leihweise überlassen. Sie sind damit kein Eigentum der Nutzer, sondern bleiben Eigentum des Landes beziehungsweise der Schulträger.
Die Zuständigkeit für Wartung und Administration liegt bei den jeweiligen Schulträgern. Das sind in der Regel die Landkreise und kreisfreien Städte. Diese Aufgabe stellt viele Kommunen vor organisatorische Herausforderungen. Fachpersonal für die technische Betreuung ist knapp.
Siebte Klassen als erste Zielgruppe
Den Anfang machen die Schülerinnen und Schüler, die im Sommer in die siebte Klasse wechseln. Rund 76.000 Jugendliche sind betroffen. Für sie bedeutet das einen direkten Einstieg in den digital gestützten Unterricht.
Das Ziel der Landesregierung ist klar formuliert: Lernen soll attraktiver werden. Digitale Werkzeuge sollen den Unterricht bereichern und Schülerinnen und Schüler besser auf eine veränderte Arbeitswelt vorbereiten. Das Projekt trägt die Handschrift der rot-grünen Koalition unter Ministerpräsident Stephan Weil.
Schulen brauchen mehr als Hardware
Tablets allein reichen nicht. Pädagogen und Bildungsexperten weisen seit Jahren darauf hin: Ohne passende Lehrerfortbildungen und stabile WLAN-Infrastruktur bleibt der Nutzen begrenzt. Wie gut die Schulen technisch vernetzt sind, variiert im Land erheblich.
Der Digitalpakt des Bundes hat zwar Mittel für den Infrastrukturausbau bereitgestellt. Doch die Umsetzung war vielerorts schleppend. Manche Schulen warten noch immer auf einen flächendeckenden WLAN-Ausbau.
Großes Projekt mit langem Atem
Das Tablet-Programm ist auf mehrere Jahre angelegt. Die rot-grüne Landesregierung hat es als zentrales bildungspolitisches Vorhaben positioniert. Mit 160.000 Geräten bis 2027 handelt es sich um ein Projekt in einer Dimension, die Niedersachsen bisher nicht kannte.
Die Kosten trägt das Land zu einem wesentlichen Teil. Wie hoch die Gesamtausgaben ausfallen, hängt auch von den Folgekosten ab: Reparaturen, Software-Lizenzen und technischer Support fallen dauerhaft an.
Fazit: Aufbruch mit offenem Ausgang
Niedersachsen setzt mit dem Tablet-Programm ein deutliches Signal. Der Rollout beginnt im Sommer, die Zahlen sind ambitioniert. Ob das Vorhaben den Unterricht wirklich verbessert, wird sich in den Schulen entscheiden, nicht in Hannover. Die Geräte sind ein Anfang. Den Rest müssen Lehrkräfte, Schulträger und Politik gemeinsam leisten.
